Cantero packt aus: burgos träumt vom aufstieg, er selbst von osasuna

0,85 Gegentore pro Spiel, 3.060 Minuten ohne Pause, eine Mannschaft, die plötzlich vom 14. auf den Aufstiegsplatz schielt – Ander Cantero ist der lebende Beweis, dass eine Saisongeschichte auch im Tor beginnen kann. Der 31-jährige Pamploneser hütet das Gehäuse des Burgos CF, trägt die Kapitänsbinde und schielt heimlich auf das Trikot seines Heimatklubs CA Osasuna.

„Diese chance kommt nie wieder“

Cantero spricht mit der Ruhe eines Mannes, der weiß, dass er sich gerade im Zenit seiner Karriere befindet. „Wenn wir 50 Punkte erreichen, ist alles andere möglich“, sagt er leise, fast flüsternd, als würde er ein Geheimnis preisgeben. Die Zahlen geben ihm recht: Seit der Rückkehr in die Segunda División vor fünf Jahren war Burgos nie besser als Neunter. Jetzt, mit drei Spielen weniger als die Konkurrenz, liegt die Mannschaft auf Playoff-Kurs. „Wir sind kein Team, das nervös wird, wenn der Gegner dominiert“, erklärt er. „Wir fühlen uns sogar wohl, wenn es eng wird.“

Dahinter steckt ein kollektives Lehrstück. Canteros Statistik ist nicht allein sein Verdienst. „Wir trainieren, uns auch in unterlegenen Situationen wohlzufühlen“, sagt er. Die Defensivlinie steht so tief, dass sie fast im Schatten des eigenen Tores spielt. Dennoch: In 34 Partien kassierte Burgos nur 29 Gegentreffer – weniger als jeder andere Klub außer Leganés. „Wir wissen, dass es Phasen gibt, in denen wir unter Druck stehen. Dann ist unsere Stärke, nicht zu zittern, sondern zu warten, bis der Gegner nachlässt. Und dann schlagen wir zu.“

Spanische torwartkultur: „bei uns zählt der keeper“

Spanische torwartkultur: „bei uns zählt der keeper“

Cantero lacht, als er gefragt wird, warum spanische Torhüter weltweit so hoch angesehen sind. „Bei uns wird der Torwart nicht als Sündenbock gesehen, sondern als Feldgeneral.“ Er zählt auf: Arconada, Ablanedo, Zubizarreta – „das waren Helden meines Vaters“. Ihm selbst hingegen blieb Santiago Cañizares als Vorbild. „Technisch beherrschte er alles: Flanken abfangen, mit dem Fuß spielen, strahlte Autorität aus.“ Diese Mischung aus Technik und Charisma versucht Cantero zu kopieren. „Ich weiß, ich bin nicht perfekt. Mein Spiel mit dem Fuß muss besser werden, meine Entscheidungen schneller. Aber ich arbeite daran – jeden Tag ein Prozent.“

Die Ausbildung beginnt früh. Spanien hat laut FIFA die meisten Torwarttrainer-Lizenzen weltweit. „Wir lernen schon mit zwölf, dass die Position Kopfarbeit ist“, sagt Cantero. „Wenn du das nicht liebst, wirst du kein spanischer Keeper.“

Pamplona im herzen, burgos im kopf

Pamplona im herzen, burgos im kopf

Der Traum, mit Osasuna in der Primera División zu stehen, bleibt. „Ich verstecke das nicht“, sagt er. „Pamplona ist mein Zuhause, mein Barrio, meine Identität.“ Doch zuerst steht der aufstieg mit Burgos an. „Wenn wir es schaffen, werde ich ‚En blanco y negro‘ von Barricada mit der Fanschar singen – ein Lied aus Pamplona, das meine Eltern mir schon in die Wiege gelegt haben.“

Die nächsten Wochen sind ein Marathon aus Endspielen. Cantero appelliert an die Anhänger: „Kommt ins Estadio El Plantío, füllt die Ränge. Diese Chance kommt vielleicht nie wieder.“ Er selbst will Geschichte schreiben – nicht nur für Burgos, sondern auch für sich. „Ich bin 31, ich kenne die Zweite División wie meine Westentasche. Jetzt oder nie.“

Die Saison endet am 2. Juni. Bis dahin hat Ander Cantero noch 270 Minuten zu spielen – oder 300, wenn es in die Playoffs geht. Jede davon könnte sein Leben verändern. „Ich werde nicht zittern“, sagt er. „Ich habe gewartet, seit ich fünf Jahre alt war. Jetzt ist der Moment.“