Camille rast rastet aus: fliegt nach 15 sekunden raus und verliert kugel
15 Sekunden. So schnell kann ein Traum platzen. Camille Rast donnert im zweiten Riesenslalom-Durchgang zu aggressiv in die Kombination, touchiert, fliegt raus – und Julia Scheib jubelt über ihre erste kleine Kristallkugel.

«Ich habe zu viel risiko genommen»
Die Slalom-Weltmeisterin tritt vor die SRF-Kamera, sichtlich mitgenommen. «Es wäre nicht schwierig gewesen, das Tor zu nehmen», sagt sie heiser. Die 26-Jährige weiß, dass sie sich selbst den Gnadenstoß verpasst hat. Ein Hauch mehr Druck auf die Kante, ein Tick zu spät – schon rast der Stöckli-Ski ins Seil. «Als ich den Schlag bekommen habe, war alles vorbei.»
Die Rechnung war simpel: Rast musste vor Scheib landen, um die Wertung noch zu drehen. Stattdessen schaut sie zu, wie die Österreicherin mit Startnummer 13 locker ins Zollfeld tuckert und sich die Trophäe sichert. «Julia war diesen Winter die konstanteste Fahrerin im Riesenslalom – sie hat es verdient», sagt Rast und schluckt. Der Satz klingt ehrlich, aber er brennt. Denn konstant war auch Rast, bis heute.
Die Saison, in der sie endlich den Sprung vom Slalom-Thron zur Allround-Königin schaffen wollte, endet mit einem Ausrufezeichen – leider für die Konkurrenz. 45 Weltcup-Punkte betrug ihr Vorsprung vor dem Finale. Jetzt ist die Kugel weg, und die Frage bleibt: War dieser Angriff Selbstvertrauen oder Selbstüberschätzung?
Scheib selbst wirkt nach dem Rennen wie jemand, der aus Versehen die Lotterie gewinnt. «Ich habe gar nicht mehr dran gedacht, dass die Kugel geht», sagt sie. Die 28-Jährige fuhr nur ihren Lauf, nicht die Rechnung. Am Ende reicht ein sicherer zweiter Platz – und sie kann endlich jene Kristallkugel hochhalten, die Rast schon auf Instagram visualisiert hatte.
Für Rast bleibt die Erkenntnis, dass Risiko und Ruhe manchmal nur eine Zentimeter-Frage sind. Die nächste Saison beginnt in sechs Monaten. Bis dahin wird sie diesen 15-Sekunden-Fehler im Kopf rattern lassen – und hoffen, dass er sie härter macht, nicht lähmt.
