Brückner, 45, oberliga-kapitän: robben-brecher fordert team-identität
Er stoppte einst Arjen Robben in der Allianz Arena. Nun peitscht Daniel Brückner 45-jährig die Oberliga-Truppe Niendorfer TSV durch den kalten Hamburger Westen. Am Sonntag geht’s gegen den HEBC um den ersten Abstiegskracher 2026 – und der Kapitän fordert: „Wir brauchen Gesichter, keine Profile.“
Robben-duell war gestern, heute zählt nur der klassenerhalt
Die Szene ist zwölf Jahre alt, doch sie klingt noch frisch: 23. September 2014, 63. Minute, Paderborn gegen Bayern. Robben dribbelt, Brückner stolpert, doch der Schuss landet im Tormann. „Klingt nach Niederlage, war aber 2:0 für uns“, grinst Brückner, während er seine Stutzen richtet. Damals Tabellenführer, heute Tabellendreizehnter – aber dafür mit 45 noch immer 90-Minuten-Mann.
Ali Farhadi, seit elf Jahren Coach beim Niendorfer TSV, schlämt nicht mehr. Nach dem 3:0 gegen Altona war er kaum erleichtert, weil er zwei Dinge sah: „Spieler, die laufen, und Spieler, die posieren.“ Er will keine Models, er will Kämpfer. „Identifikation ist kein Marketingwort, sondern Schweißgeruch in der Kabine“, sagt er und wirft Blicke auf das Spielfeld, wo gerade die U15 trainiert – 50 Fußballteams, ein Klub, eine Identität.

Der westen hamburgs ist groß – zu groß für halbprofi träume?
7.500 Mitglieder, 17 Sportarten, ein Stadion, das sich selbst als „familiär“ bezeichnet. Die Regionalliga? „Nie ernsthaft Ziel“, sagt Manager Marcus Scholz, der seit 2007 die Lizenz für die Oberliga hält. „Wir sind Ausbildungsverein, nicht Sprungbrett.“ Dabei winken Namen wie Tikvic (Watford), Sanne (Hannover) oder Meyer (Torschütze gegen Bayern im Pokal). Die Talente ziehen weiter, der NTSV bleibt – und kämpft.
Carsten Wittiber, ehemaliger DDR-Juniorennationalspieler, sponsert Trikots, organisiert Busfahrten, erklärt Eltern, warum der Sohn noch in Blau-Weiß spielen sollte. „Kontinuität ist kein Slogan, sondern 19 Jahre neben Scholz“, sagt er und deutet auf die Tribüne, wo ein Plakat zeigt: „Niendorf ist kein Vorort, Niendorf ist Zuhause.“
Gegen HEBC droht das Eisderby – und Brückner spielt mit
Der Gegner heißt jetzt nicht Robben, sondern Semir Demirovic. Sein Bruder Ermedin schießt für Stuttgart in der Bundesliga. „Familienvergleich“, lacht Brückner, „nur dass meine Familie am Sonntag 300 Kilometer anreist, um mich im Schlamm zu sehen.“ 13 Punkte trennen Niendorf vom sicheren Mittelfeld, drei vom Relegationsplatz. Die Rechnung ist einfach: Wer verliert, rutscht auf Tabellenplatz 14. Wer gewinnt, darf durchatmen.„Ich könnte mit 45 aufhören, aber warum? Ich kann noch sprinten, ich kann schreien, ich kann die Jungen an der Schulter packen“, sagt Brückner. Und dann erzählt er noch einmal von Robben, vom Lärm in der Arena, vom 2:0-Sieg. „Aber das war ein Film. Heute ist Training, morgen ist HEBC. Und Sonntag 15 Uhr – das ist meine Premiere.“
Die Kälte wird beißen, der Rasen ist rau, die Zuschauerzahl steht bei 612. Doch Brückner wird sprinten, bis die Lunge brennt. Weil Oberliga kein Altersheime ist, sondern sein Leben. Und weil er weiß: Wer einmal Robben stoppte, darf niemals Semir aus dem Weg gehen.
