Brasilien spielt verrückt: 23 rote karten, militär auf dem rasen – das derby der schande

Derby Atletico Mineiro gegen Cruzeiro, 90. Minute, plötzlich knallt es. Torhüter Everson wirft Stürmer Christian mit einer Tiefsprung-Grätsche um, springt danach auf ihn drauf, rammt die Knie in seinen Rücken. Sekunden später steht der Militär auf dem Platz. Nicht als Ordner, sondern als Einsatztruppe. Brasilien spricht vom „Kampf des Jahrhunderts“.

Der funke fiel ins pulverfass

Die Szene war so schnell wie brutal. Christian will die Kugel im Strafraum noch abstauben, Everson blockt ab, der Angreifer trifft ihn dabei leicht am Oberschenkel. Der Keeper verliert die Nerven, holt zum Faustschlag aus, danach geht alles ineinander über. Lucas Romero springt seinem Teamkollegen zur Hilfe, Matheus Henrique packt Everson an der Gasse, Hulk jagt Villalba mit einer Box-Kombination in die Seitenlinie. Die Schiedsrichter verlieren die Übersicht, die Linienricher ducken sich weg.

Die Zahl der Roten Karten schnellt in die Höhe: 23 – elf für Atletico, zwölf für Cruzeiro. Damit pulverisieren die Profis den 70 Jahre alten Rekord von Portuguesa gegen Botafogo (22 Ausweise, Rio-São Paulo-Turnier 1954). Die Folge: Spielabbruch, Finale des Campeonato Mineiro vorerst unentschieden, Entscheidung auf dem Schreibtisch der Richter.

Die bilder, die um die welt gehen

Die bilder, die um die welt gehen

Felipe Melo rastet auf der Tribüne aus, weil ein Fan ihn am Trikot zieht – Polizist tritt dazwischen, Fan fliegt raus. Im Internet kursieren Clips von Fausthieben, Tritten, sogar von einem Schlag mit der Schienbeinschutz-Prothese. Kurz nach Mitternacht veröffentlicht Atletico ein Statement: „Wir distanzieren uns von jeder Gewalt.“ Dabei war Everson selbst vor zwei Jahren wegen Tränengas-Einsatzes auf der Tribüne verwarnt worden – ein Hintergrund, der den Frust zusätzlich befeuerte.

Die brasilianische Fußball-Föderation CBF reagiert sofort: Untersuchungskommission, TV-Bilder sichergestellt, Personalpässe konfisziert. Sollte sich der Vorwurf der „aggravierten Körperverletzung“ erhärten, drohen mehrmonatige Sperren. Sponsor Betano zieht Konsequenzen und stoppt für 30 Tage alle Werbeclips mit Atletico-Stars. Die TV-Quoten des Senders DAZN stiegen während der Schlägerei um 38 % – ein makaberer Gewinn.

Die stimmen nach dem knall

Die stimmen nach dem knall

Hulk, 37 Jahre, eigentlich erfahren genug: „Das ist eine Schande. Wir müssen uns schämen, vor unseren Familien, vor den Kids auf den Rängen.“ Cruzeiro-Coach Pepa wirft dem Gegner „geplante Provokation“ vor, Mineiro-Coach Cuca kontert: „Wer so ein Foul macht, darf sich nicht wundern.“ Und der geschasste Schiedsrichter Flavio Rodrigues? Er kassierte eine 180-Tage-Sperre, weil er die Lage nicht unter Kontrolle bekam.

Die brasilianische Liga droht mit Geisterspielen, die Staatsanwaltschaft Belo Horizonte prüft Anzeige wegen „Landfriedensbruch“. Für viele Fans ist das nicht einfach nur ein Skandal, sondern ein Symptom: zu viel Geld, zu viel Druck, zu wenig Respekt. In den sozialen Netzwerken kursiert ein Foto, das die traurige Bilanz zeigt: ein leeres Trikot im Gras, darüber 23 rote Kartons, darunter nur ein Wort: „Vergessen?“

Die Antwort lautet Nein. Denn die Zahlen bleiben: 23 Rote Karten, ein Militäreinsatz, ein Finale ohne Sieger – und ein Land, das sich fragt, ob sein geliebter Fußball noch Spiel oder schon Krieg ist.