Br volleys starten play-offs mit zitterndem throne

Die Krone sitzt locker. Erstmals seit vier Jahren müssen die BR Volleys die Play-offs nicht als Tabellenführer bestreiten – und das merkt man in der Halle. Statt Selbstverständlichkeit herrscht Anspannung, statt Siegesserie ein Fragezeichen hinter dem zehnten Meistertitel in Folge.

Schott’s ehrgeiz: „wir sind noch immer der meister“

Schott’s ehrgeiz: „wir sind noch immer der meister“

Kapitän Ruben Schott spuckt den Satz aus wie einen Gnadenschuss: „Wir sind immer noch der amtierende Deutsche Meister.“ Auf dem Papier, ja. Auf dem Parkett aber steht Lüneburg oben, die Berliner nur auf Platz zwei – eine Tatsache, die sich wie Splitter unter der Haut festsetzt. Der Auftakt gegen die Netzhoppers am Samstag (18.00 Uhr/Dyn) ist mehr als ein Stadtderby: Es ist der erste Stresstest für einen Rumpfkader, der sich seit Januar nicht mehr erholen kann.

Trainerwechsel, Pokal-Aus, Champions-League-K.o. – die Saison liest sich wie ein Lehrbuch für Krisenkommunikation. Alexandre Leal, seit Januar an der Linie, schraubt nicht mehr am System, sondern am Selbstbild der Spieler. Seine Bilanz: unbefriedigend. Die Phase, in der ein neuer Coach den Turbo zündet, blieb aus. Stattdessen schleppt sich das Team mit 23 Liga-Siegen im Rücken – aber die letzten fünf davon mit Abstinenz von Glanz.

Das Verletzungspech nagt weiter. Moritz Reichert? Rückkehr in Aussicht, aber kein Termin. Nehemiah Mote? Seine Knie sind ein Schachspiel ohne Züge. Geschäftsführer Kaweh Niroomand redet das Drama klein: „Spannende Ausgangslage für die Liga.“ Klingt nach Ablenkung. Tatsache ist: Ohne die beiden Block- und Angriffs-Pfeiler wird selbst das Viertelfinale zur Falle.

Lüneburg, Düren, Friedrichshafen – alle haben den Duft des Throns gerochen. Die Berliner dagegen müssen sich an den Geschmack von Verfolgung gewöhnen. Niroomand nennt es „gewollte Spannung“. Was er meint: Der Mythos BR Volleys steht kurz vor dem Reality-Check.

Letzte Saison schwächelten sie ebenfalls – und rissen dann alle in den Abgrund. Drei verlorene Sätze in der kompletten K.o.-Phase, mehr nicht. Dieses Mal glaubt niemand mehr an ein Déjà-vu. Die Zahlen sagen: Wer Saison zwei verliert, verliert die Serie. Die Stimmung sagt: Erst recht in Berlin.

Der erste Aufschlag fällt am Samstag. Wenn die Krone kippt, droht nicht nur das Aus – dann fällt eine Dynastie. Und keine rhetorische Frage wird das aufhalten.