Italias jubel verrät bosniens angst: zenica wartet auf revanche

Die Kameras der RAI hatten nur Sekunden gebraucht, um ein Fass aufzureißen. Dimarco, Vicario, Meret, Tonali – sie alle sprangen auf, als Dzeko den Elfmeter versenkte und Bosnien sich gegen Wales durchboxte. Für die Azzurri war das ein Arbeitssieg im Nebenzimmer, für Bosnien ein Kratzer auf dem Stolz. Twitter in Sarajevo explodierte: „Respektlos“, „arrogant“, „wir merken uns das für Zenica“. Die Wut ist echt, das Video viral, die Botschaft klar: wer feiert, obwohl er nur Zuschauer ist, bekommt die Rechnung präsentiert.

Die szene, die lele adani fast erstickte

Die szene, die lele adani fast erstickte

Im RAI-Kommentatorcraquele saß Lele Adani, sonst Volldampf für italiana Leidenschaft, plötzlich mit trockenem Hals. „Ihr habt gesagt, ihr zeigt das nicht“, stammelte er, als Regie das Jubelbild trotzdem einschleuste. Tonali, gerade noch analysierender Profi, schrie „Per poco non segnava!“, als Demirovic scheiterte – und lachte, als Dzeko traf. Das ist keine Analyse mehr, das ist Schulhof. Bosniens Fans fühlen sich angepiesst, und sie wissen, dass ihr Team am Dienstag in Zenica keinen Millimeter schenken wird.

Die Zahlen sind gnadenlos: In den letzten fünf Spielen gegen Italien kassierte Bosnien nur eine Niederlage, holte sieben Punkte. Doch die Statistik interessiert niemanden, wenn die Gegner deine Freude als Hohn interpretieren. Gattuso, der italienische Pragmatiker, hat bereits mit Buffon und Bonucci telefoniert: Galles-Bosnien durchgeschaut, die Spieltags-CD läuft auf Loop. Aber selbst ihm dürfte klar sein: Motivation ist ein zweischneidiges Schwert. Wer sie durch Spott erzeugt, riskiert, sich am eigenen Blut zu schneiden.

Die UEFA wird nicht eingreifen, die FIFA schon gar nicht. Dennoch steht jetzt ein Schandfleck auf dem blauen Trikot, der erst am Dienstag in Zenica abgewaschen werden kann. Denn wenn Pjanić und Dzeko neben dem Ball auch noch die Rache treten, wird das kein Spiel mehr sein – das wird ein Todesurteil in 90 Minuten. Die Italiener haben die Glut entfacht. Jetzt müssen sie durchs Feuer, sonst bleibt die Asche ihrer Arroganz liegen.