Bosniens goldjunge droht italien: „brutales spiel in zenica – wir laufen bis zum krampf“
Kerim Alajbegovic ist noch keine 19, aber bereits der Mann, der Bosnien-Herzegowina ins WM-Haus tragen will. Nach dem 1:1 in Cardiff verwandelte er den letzten Elfmeter, schickte Edin Dzeko mit einem Traum-Corner zum Ausgleich und löste bei Bayer Leverkusen die Rückklausel über sechs Millionen Euro aus. Jetzt blickt der Flügelspieler nach vorn – und warnt die Gegner.
„Der lautste keller europas“
Zenica, Mittwochabend, 20.45 Uhr. Im Stadion Bilino Polje pressen 15.000 Menschen die Luft zusammen. „Kleines Loch, großer Krach“, sagt Alajbegovic. „Unsere Fans machen aus jedem Gegner einen Tauben. Das wird brutal.“ Die italienische Defensive um Bonucci und Chiellini erwartet ein Konzert, bei dem selbst die Linienrichter mit Ohrstöpseln arbeiten.
Die Physiotherapeuten der Bosnier haben Magnesium-Tabletten im Gepäck. Halbe Mannschaft hatte in Wales Muskelkrämpfe, lief trotzdem weiter. „Wir haben kein zweites Team, wir haben nur Charakter“, sagt Alajbegovic. Der Junge, der 2007 in Köln das Licht der Welt erblickte, als Dzeko bereits Bundesliga-Torschützenkönig wurde, spricht mit der Stimme eines Captains.

Dzeko als mentor und vaterfigur
Im Mixed-Zone nennt er den 37-jährigen Dzeko „unseren General“. Die Vorlage zum 1:1 war kein Zufall. „Edin sagt mir, wo ich hinlaufen muss. Ich höre nur auf ihn.“ Beide verbindet mehr als ein Corner-Kurzpass. Es ist die Übergabe der Generationen. Wenn Alajbegovic dribbelt, sieht man die Jugend, wenn Dzeko den Ball festhält, die Erfahrung.
Die Italiener forschen nach Schwächen. Sie finden Videos, in denen Alajbegovic rechts überholt, links flankt und mit links abschließt. Was sie nicht finden: Nervosität. Elfmeter Nummer fünf in Cardiff? „Kein Zittern. Ich schaue den Keeper an, lege den Ball neben ihn, fertig.“

Die bosnien-formel: laufbereitschaft plus ballkunst
Trainer Ivaylo Petev verlangt ein 4-2-3-1, das in ein 4-4-2 umschaltet. Die Doppelsechs aus Hadzic und Cimirot soll Locatelli und Barella stören, Alajbegovic auf der Außenbahn die Außenverteidigung zerreißen. Dahinter steht ein Land, das sich endlich wieder auf eine WM qualifizieren will. Die letzte Teilnahme liegt acht Jahre zurück.
Die Quoten sehen Italien als Favoriten. Die Buchmacher haben nicht mit Bosniens größter Waffe gerechnet: dem Glauben. „Wir laufen 120 Minuten, wenn nötig 150. Und wenn der Schiri pfeift, jubelt Zenica“, sagt Alajbegovic. Dann steigt er auf den Bus, der unter Polizeieskorte ins Stadion rollt. Im Gepäck: neue Stollen, alte Träume – und ein Ticket nach Kanada 2026.
