Bosnia nagelt wales ab – italiens spieler jubeln vor dem fernseher
Kerim Alajbegović schießt. Dann bricht Chaos aus. In der Cardiff City Stadium-Kabine, im Rai-Übertragungswagen – und vor allem in einem Hotelzug irgendwo in Milano, wo ein halbes Dutzend Azzurri in Shorts vor dem Bildschirm hockt und plötzlich losschreit.

Elfmeter-krimi versorgt italien mit vermeintlichem geschenk
120 Minuten waren vorbei, die Partie stand 0:0, und die Play-off-Final-Teilnahme für die WM 2026 schien ein Roulette. Dann verfeuert Wales mit Johnson und Williams zwei Schüsse aus elf Metern, Alajbegović verwandelt den entscheidenden, und schon rast die Bosnia in die Endrunde. Die Kamera fängt ab, wie Gianluca Scamacca und Sandro Tonali sich in die Arme fallen – ein Bild, das binnen Minuten durchs italische Netz geht.
Die Reaktion ist eindeutig: Lieber Dzeko und Co. als die walisische Sprinttruppe um Brennan Johnson? „Be careful what you wish for“, warnt sofort der erste Twitter-Account mit Italien-Flagge. Denn wer die Bosnier als leichte Beute wähnt, vergisst die Tatsache: Sie haben in den letzten 18 Monaten nur eine einzige Quali-Niederlage kassiert – und zwar gegen Frankreich mit 0:1 in Lyon.
Italiens Teamchef Luciano Spalletti wird die Sequenz in der Videoanalyse genau studieren. Er weiß: Sein defensives Mittelfeld kommt gegen die dynamischen Außenbahnen der Bosnier unter Druck, wenn Amar Dedić und Edin Džeko gleichzeitig in die Tiefe stürmen. Die Statistik liefert eine klare Warnung: In den letzten fünf Duellen mit Ex-Jugoslawien-Teams kassierte die Squadra A vier Gegentore nach Standards – genau jene Szenerie, in der Džeko lebt.
Und Wales? Die Dragonen verlassen Cardiff mit leeren Händen, doch der Verband reagiert sofort: Ryan Giggs bestätigt, dass die Umstrukturierung des Nachwuchsprogramms bereits läuft. „Wir haben Talente, aber keine Killer-Instinkte“, sagt der Teamchef, während die Spieler die Niederlage verdaut haben.
Inzwischen sickert durch: Die Italiener haben bereits am Sonntag ein internes Testspiel gegen die U-21, um die Elfmeter-Varianten zu repetieren. Denn der Termin gegen Bosnien ist fix: 15. November, 20:45 Uhr, San Siro. 75 000 Tickets sind restlos vergriffen. Die Quote für einen Heimsieg fiel von 1,65 auf 1,48 – die Märkte reagieren auf das vermeintliche Losglück.
Doch der letzte Satz im Rai-Clip bleibt hängen: Als Tonali jubelt, ruft ein Kameratechniker abseits: „Speriamo non porti male.“ Aberglaube? Vielleicht. Aber in der Serie A kennt man das Phänomen: Wer zu früh lacht, trifft genau den Gegner, der ihn zerstört. Die Geschichte schreibt sich am 15. November neu – und sie schreibt sich in Mailand, nicht in Sarajewo.
