Bayern glüht auch ohne kane – gladbach versinkt im eigenen schatten
Mit einem Schlag sieben Neue in der Startelf, der Kapitän verschwindet nach 45 Minuten wieder in der Kabine – und trotzdem fegt der FC Bayern Borussia Mönchengladbach mit 4:1 aus der Arena. Die Botschaft an Atalanta Bergamo ist klar: Ohne Harry Kane geht’s auch, nur eben mit mehr Variabilität und einem Nicolas Jackson, der sich endlich als Mittelstürmer versucht.
Trainer Vincent Kompany hatte vor dem Spiel betont, er wolle „Rhythmus statt Rotation“ – am Ende bekam er beides. Die Rotation war gewaltig, der Rhythmus aber stammte aus dem eigenen Konzept: 68 Prozent Ballbesitz, 17 Torschüsse, zwei Pfostenklapperer, ein Elfmeter und eine Rote Karte gegen Rocco Reitz, der sich im Strafraum wie ein Defensive-Back gegen Jackson verhedderte.
Manuel neuer: comeback mit halbzeit-finale
Die einzige Unruhe erfuhr der Rekordmeister zwischen den Pfosten. Manuel Neuer kehrte nach Muskelbündelriss zurück, musste aber zur Pause wieder raus – diesmal als Vorsichtsmaßnahme, wie der Klub nachlieferte. Der 38-Jährige hatte gerade noch die erste Gladbacher Chance mit einem Reflex vereitelt, ehe Wael Mohya ihn mit einem Traumtor in den Winkel der Unbedeutung schoss. Es war das 89. Minute, längst war die Partie entschieden.
Bei Bayern spricht man offen vom „Kane-Modus plus x“. Jackson rückt nicht nur in die Mitte, er übernimmt auch die Tiefe, die sonst der Engländer sucht. Díaz und Musiala interpretieren die Halbräume neu, Laimer eröffnet vertikale Laufwege aus dem Mittelfeld. Das Ergebnis: vier Tore, 29 Ballgewinne im gegnerischen Drittel – Saisonbestwert.

Gladbach marschiert in die resignation
Die Fohlen begannen mutig, doch nach dem 1:0 zerbrach ihre Ordnung wie ein Kartenhaus im Wind. Trainer Gerardo Seoane wechselte dreimal bis zur 60. Minute, doch die Lücken blieben. Die Statistik nagelt seinen Klub ans Kreuz: Keine Siege seit acht Spielen, erst 18 Gegentore im März, und das mit einem 17-jährigen Debütanten als einzigem Lichtblick. Mohya traf, aber er kann nicht verteidigen.
Für den FC Bayern geht es nun in eine Woche mit fünf Pflichtspielen. Die Auswärtsbilanz in Italien ist miserabel – nur zwei Siege in den letzten zehn Partien –, doch die Stimmung ist aufgeheizt. Kompany verspricht: „Wir fliegen nicht nach Bergamo, um zu verteidigen.“ Kane soll dabei sein, Neuer wird wohl noch einmal getestet. Und Jackson? Der lacht jetzt, denn er hat endlich wieder 90 Minuten in den Knochen – und zwei Torbeteiligungen auf dem Konto.
Die Liga ist so gut wie entschieden, das Champions-League-Achtelfinale wird zum Saisonziel. Wer nach diesem Abend noch zweifelt, dass der FC Bayern auch ohne Superstar funktioniert, hat die letzten 90 Minuten verschlafen. Die Generalprobe war ein Pflichtsieg – die Premiere in Bergamo kann beginnen.
