Bahlinger sc stürzt ins oberliga-becken: abstieg sicher, revolution startet

Fast ein halbes Jahr ohne Sieg, ein Kader im Ausverkauf, nur der Pokal hält den Bahlinger SC noch wach. Seit dem 1:1 in Mainz brodelt es im Kaiserstuhl: Marco Schneider darf bleiben, Toptalente aus der Region sollen kommen, und die alte Garde bekommt ein Ultimatum.

Warum der abstieg längst beschlossene sache ist

Die Zahlen sind gnadenlos: 18 Pflichtspiele, null Erfolgserlebnisse, nur vier Punkte aus den letzten 15 Partien. Der Vorsprung auf den rettenden Relegationsplatz schrumpfte von einst neun auf zwei Zähler. Selbst die eigene Geschäftsstelle rechnet intern mit Platz 17 – und damit der direkten Rückkehr in die Oberliga Baden-Württemberg. Die Planung läuft bereits auf 2025/26.

Der erste Schritt: Marco Schneider wechselt vom geduldigen Zukunftskoordinator zum Chef-Stratege. Der 51-Jährige soll nicht mehr „nur“ Sportlicher Leiter werden, sondern die Mannschaft sofort umbauen. Seine Handschrift ist schon jetzt sichtbar: Cristian Cernenchi und Nikita Ebel kommen vom FC Denzlingen, beide 23, beide aus dem Freiburger Umland, beide hungrig auf Oberliga-Luft. Keine Ausleihe aus dem Ausland, kein teurer Import – sondern Spieler, die den Weg zum Kaiserstuhl mit dem Fahrrad zurücklegen könnten.

Die neue dna: kurze wege, lange verträge

Die neue dna: kurze wege, lange verträge

Früher suchte Bahlingen im 300-Kilometer-Radius, jetzt reicht der 30-Kilometer-Radius. Schneider lobt „Regionalklasse“ statt „Drittliga-Erfahrung“. Die Folge: Louis Schmidt, Luca Schröder und Alex Echner – 21, 19, 21 – laufen bereits regelmäßig auf. Ihre Aufgabe: die Lücke von Yannick Häringer, Shqipon Bektasi und Nico Gutjahr schließen, die den Verein im Sommer verlassen haben.

Die alten Recken bleiben trotzdem gefragt. Hasan Pepic’ linker Fuß gehört laut Scout-Kreisen zum Besten, was die künftige Oberliga zu bieten hat. Rico Wehrle und Laurin Tost unterschrieben bereits – ein Signal an die restliche Kabine: Wer sich bindet, bekommt Planungssicherheit. Wer zögert, landet auf der Abstellgleis-Liste.

Pokal als rettungsanker – und als job-interview

Pokal als rettungsanker – und als job-interview

Am Mittwochabend rettete Pepic per Elfmeter beim 1:0 in Lahr das Finale-Ticket. Am 23. Mai trifft Bahlingen im Südbadischen-Pokal-Endspiel auf den FC 08 Villingen – und genau dieses Spiel wird zum Testlauf für die neue Identität. Schneider will „kompakt, schnell, unbequem“ auftreten. Klingt nach Underdog-Klischee, ist aber Realität: Gelingt der Pokalsieg, winkt ein DFB-Pokal-Startplatz – und damit ein Sechstel-Budget für die Oberliga.

Bis dahin heißt es: Samstag gegen die Stuttgarter Kickers, Dienstag im Dreisamstadion gegen den SC Freiburg II. Zwei Partien, die längst keine Tabellen-Bedeutung mehr haben, aber alles über die Frage entscheiden: Wer gehört noch dazu, wenn die Musik in der Oberliga neu aufgelegt wird?

Schneider lacht nicht, wenn er sagt: „Wir wollen den Pokal holen und dann oben mitspielen.“ Die Fans glauben ihm – nicht weil er es so sagt, sondern weil der Klub endlich wieder eine Richtung kennt: abwärts, um neu zu starten. Die Relegation ist abgehakt, die Revolution läuft. Und sie beginnt mit dem linken Fuß von Pepic und dem Herzen von drei 20-Jährigen aus dem Nachbarort.