Antonelli warnt vor ferrari-attacke: „wir haben keine großen upgrades“

Kimi Antonelli tritt in Miami als Weltmeister-Kandidat an, doch der 19-Jährige redet sich nicht ein: „Die Saison ist lang, und ich muss jedes Wochenende von vorne beweisen, dass ich das Zeug habe.“

Mercedes bringt nur kleinteile – die konkurrenz schlägt groß auf

Die Fangemeinde in Italien feiert ihn bereits als neuen Schumacher, nach seinen Doppel-Siegen in Shanghai und Suzuka. Im Fahrerlager von Miami wirkt Antonelli trotzdem wie ein Schüler, der gerade die Hausaufgaben kontrolliert bekommt. Er schlägt die Hände über dem Helm zusammen, blickt zu Boden und sagt: „Ich spüre den Hype, aber ich kann ihn nicht konsumieren.“

Die Zahlen sprechen für ihn: 71 von 104 möglichen Punkten, zwei Pole, zwei Siege. Doch die Stimme zittert kaum merklich, als er warnt: „Ferrari, McLaren und Red Bull haben Riesen-Updates dabei. Wir nicht.“ Ein Satz, der beim Mercedes-Management für schlechte Laune sorgt, denn die Boliden aus Brackley kommen mit minimalen Flügel-Anpassungen. „Wir werden mehr kämpfen müssen als zuletzt“, sagt Antonelli und klingt dabei wie ein alter Recke, nicht wie ein Teenager.

Startprozedur war sein kryptonit – jetzt kam die ingenieurgrippe

Startprozedur war sein kryptonit – jetzt kam die ingenieurgrippe

Beim Thema Start verändert sich sein Gesichtsausdruck sofort. „Wir haben die Kupplungshebel umgebaut, die Handposition geändert, die Software neu kalibriert“, erzählt er. „Ich habe im Simulator 200 Anläufe gemacht, bis meine Finger bluteten.“ Die verlorenen Plätze in Melbourne und Jeddah haben das Team wachgerüttelt. Technikdirektor James Allison persönlich kümmerte sich um die Modifikationen. „Wenn ich jetzt noch mal so schlecht wegkomme, ist es meine Schuld, nicht die des Wagens“, sagt Antonelli und lacht zum ersten Mal in dem Gespräch – ein schnelles, kurzes Lachen, als wäre es verboten.

Die Frage nach seinem Teamkollegen George Russell beantwortet er mit erhobenem Zeigefinger: „Wir dürfen uns raufen, aber ohne Idiotie.“ Toto Wolff habe die Regeln klar gemacht: Duell erlaubt, Crash verboten. „George ist schnell, aber ich fürchte mich nicht“, sagt Antonelli. Die Worte klingen wie eine Kampfansage, der Blick bleibt kalt.

Kurve 17 wird zur falle: 320 km/h auf 78 in 98 metern

Kurve 17 wird zur falle: 320 km/h auf 78 in 98 metern

Auf der Hard Rock Stadium-Schlaufe erwartet ihn die berüchtigte Kurve 17. „Du triffst die Bremse bei 320, spürst wie die Karbon-Keramik glüht, und hoffst, dass dir die Downforce nicht ausgeht“, beschreibt er den Manöver. Genau hier verlor letztes Jahr Lando Norris seinen Frontflügel. Antonelli kennt die Daten auswendig: 98 Meter Bremsstrecke, 3,2 g Verzögerung, 1,8 Sekunden Vollbremsung. „Wenn du da einen Zentimeter zu spät bist, bist du im Wand“, sagt er und tippt sich gegen die Schlafe.

Die Italiener erwarten den dritten Sieg, die Buchmacher sehen ihn trotz fehlenden Upgrades als Favoriten. Antonelli schüttelt den Kopf: „Die Wahrheit kommt zwischen Kurve 11 und 12. Dort werde ich wissen, ob die Plakette „Next Senna“ berechtigt ist oder nur heiße Luft.“

Um 22:00 Uhr Ortszeit startet das Freie Training 1. Dann zeigt sich, ob der 19-Jährige aus Bologna eine Epoche eröffnet – oder ob die großen Jungs mit ihren neuen Flügeln die Nachzügler-Jagd eröffnen.