Vfl wolfsburg beendet christiansen-poker – schindzielorz fordert millionen
Peter Christiansen ist weg, die Schlammschlacht blieb aus. Der VfL Wolfsburg bestätigte am Montag die einvernehmliche Auflösung des Vertrags mit dem dänischen Geschäftsführer – ein unrühmliches Ende nach 27 Monaten voller Fehlentscheidungen und einem dramatischen sportlichen Absturz.
Christiansen zieht sich zurück – ohne gerichtsverfahren
Die Trennung war schon am 8. März eingeleitet worden, als der Klub den 51-Jährigen „von seinen Aufgaben entbunden“ und freigestellt hatte. Doch statt eines sofortigen Rausschmisses brodelte es weiter: Anwälte mischten sich ein, Forderungen kursierten, die Drohung eines Prozesses hing in der Luft. Nun also der Kompromiss – ohne offengelegte Summe, aber mit einem klaren Schnitt. Wolfsburg spart sich den Gang vor das Arbeitsgericht, Christiansen verschwindet mit seiner Version der Geschichte im Gepäck.
Die Bilanz des Ex-Profi-Agenten liest sich wie ein Lehrbuch für Managementsünden: Transferpleiten, ein Trainerwechsel nach dem nächsten, ein Kader ohne erkennbare Marschrichtung. Die Folge: Der einstige Champions-League-Teilnehmer schlingerte auf den Relegationsplatz, nur ein 3:0 gegen den FC Augsburg am Wochenende bescherte dem VfL erstmals seit Wochen einen Hauch Luft.

Schindzielorz will bis zu vier jahresgehälter – prozess droht
Während Christiansen das Feld räumt, kämpft Ex-Sportdirektor Sebastian Schindzielorz weiter. Der 47-Jährige fordert drei bis vier Jahresgehälter – umgerechnet rund 2,4 Millionen Euro – und klagt gegen die Befristung seines Vertrags. Ein Termin am Arbeitsgericht Braunschweig Mitte April verlief ergebnislos, die nächste Runde steht bevor. Schindzielorz war im November 2023 vom damals noch amtierenden Christiansen freigestellt worden, als die Saison längst zum Desaster zu werden drohte.
Die interne Bilanz der Doppelspitze: Null Punkte in der Bundesliga-Hitliste, dafür jede Menge Kopfschütteln in den Bürofluren der AOK-Stadion-Anlage. Die einstige Zielsetzung, „um internationale Plätze mitzuspielen“, mutiert angesichts von 14 Niederlagen aus 30 Spielen zur bitteren Farce. Wer die Kasse füllen soll, steht offen: Sportvorstand Marcel Schäfer arbeitet mit reduziertem Etat, die Gehaltsliste ist trotz Abgängen noch immer eine der höchsten im gesamten Unterhaus.

Wolfsburg steht vor dem finanziellen spagat
Die drohende Zweitklassigkeit würde den Klub rund 40 Millionen Euro kosten: TV-Gelder wegbrechen, Sponsoren könnten ihre Verträge anpassen, und die ohnehin angespannte Liquidität würde weiter sinken. Die einvernehmliche Trennung von Christiansen mag ein Symbol sein – sie löst die strukturellen Probleme nicht. Trainer Ralph Hasenhüttl muss mit dem vorhandenen Personal die Klasse sichern, während die Geschäftsführung hintenrum neue Investoren anwirbt und parallel die Gehaltsstruktur entschlackt.
Ein Aufsteiger wie Holstein Kiel wartet im Falle der Relegation bereits mit frischem Selbstvertrauen. Die Uhr tickt. Am Samstag geht’s nach Freiburg, dann folgt das Endspiel gegen Union Berlin. Werden die Wölfe den Abstieg doch noch abwenden, bleibt die Frage, wer künftig die sportliche Leitung übernimmt – und wie viele Millionen sich der Klub noch leisten kann, um seine Fehler zu bereinigen.
Christiansen ist Geschichte, Schindzielorz fordert seine Pacht – und der VfL Wolfsburg steht mit dem Rücken zur Wand. Der Klassenerhalt wäre nicht nur sportlich ein Befreiungsschlag, sondern auch die letzte Chance, die eigene Zukunft ohne Insolvenz-Szenarien zu planen.
