Austria wien räumt auf: vorwürfe gegen werner und zagiczek erweisen sich als luftnummer

Die Austria hat weggefaxt, was Mitte Februar noch wie der nächste Skandal roch. Die schweren Vorwürfe gegen Finanzvorstand Harald Zagiczek und Ex-Sportchef Jürgen Werner sind nach Prüfung durch Ernst & Young nichts weiter heiße Luft. Keine belastbaren Indizien, keine schwarzen Kassen, keine verschwundenen Millionen – nur ein Berg an Akten und ein Haufen verbrannter Nerven.

Was hinter den kulissen wirklich geschah

Die Kronen Zeitung hatte im Februar ein Kapitel aus dem Austria-Krimi ausgepackt: Undichte Verträge, ominöse Zahlungsströme, das volle Programm. Der Aufsichtsrat reagierte sofort, beauftragte die Wirtschaftsprüfer mit einer forensischen Volluntersuchung. Handys geklont, Mailserver auseinandergenommen, Verträge bis ins letzte Komma zerlegt. Drei Monate lang durchsuchten digitale Spürhunde die Serverräume, befragten interne Zeugen, verhörten externe Partner. Das Ergebnis: nichts, aber auch gar nichts.

„Für sämtliche der medial berichteten Vorwürfe hat Ernst & Young keinerlei belastbaren Indizien identifiziert“, heißt es im Austria-Befreiungszertifikat. Präsident Kurz Gollowitzer zieht einen Schlussstrich: „Die Sache ist für uns erledigt.“

Zagiczek atmet auf – der club auch

Zagiczek atmet auf – der club auch

Harald Zagiczek spricht von „sehr belastenden Wochen“. Wer in der Branche arbeitet, weiß: Vorstandsposten im Profifußball sind ohnehin ein Dauermarathon; wenn dann der Vorwurf der Untreue im Raum steht, schlägt das auf Magen und Leber. Nun kann der Finanzchef wieder durchatmen und sich auf das konzentrieren, wofür er bezahlt wird: die schwierige Sanierung der Austria-Kasse.

Der Club selbst spart sich teure Reputationsbeilagen. In Zeiten, in denen Sponsorenverträge millimetergenau an Imagefragen koppeln, wäre ein laufender Vorstands-Skandal Gift für die nächste Verhandlung. Mit dem Freispruch retten die Veilchen nicht nur zwei Köpfe, sondern vor allem die Geldgeber-Treue.

Die lehre aus dem fall: zweifel sind billig, aufklärung teuer

Die lehre aus dem fall: zweifel sind billig, aufklärung teuer

Die Austria hat für die Untersuchung einen sechsstelligen Betrag hingeblättert, schätzen Insider. Dafür kauft sich der Verein nicht nur juristische Klarheit, sondern auch ein Druckmittel gegenüber Medienpartnern. Wer künftig mit Halbwahrhemen um die Ecke kommt, kann mit einer Gegenrede auf höchstem Niveau rechnen.

Für Jürgen Werner, der den Posten als Sportvorstand ohnehin bereits geräumt hatte, bedeutet das Votum vor allem eine persönliche Genugtuung. Nach seiner Entlassung im Winter war er medial zum Sündenbock für sportliche Misserfolge und angebliche Finanzverfehlungen gemacht worden. Das Ernst-&-Young-Siegel bietet ihm die Rückendeckung für eine Rückkehr in die Fußball-Manager-Klasse – falls er will.

Die Austria kann nun wieder nach vorne blicken: Saisonziel Klassenerhalt, Neuaufbau der Mannschaft, Ausbau der Nachwuchsakademie. Die dunkelste Episode der Vereinshistorie endet mit einem Paukenschlag, der gar keiner war – und das ist eine Meldung, die in Wien so selten ist wie ein Sieg gegen Salzburg.