Atubolu steht vor der scheidung: europa-league-finale oder premier-league-sprung?
Noah Atubolu muss sich entscheiden. Heute Abend kann der 23-Jährige mit dem SC Freiburg das Ticket für das Europa-League-Finale lösen – und vielleicht einmalig in der Klubgeschichte einen internationalen Pokal über dem Kopf halten. Oder er schaut schon jetzt Richtung Insel, wo Klubs mit dicken Schecks warten. Beides wird er nicht bekommen.
Der dritte halt stoppt den elfer, der vierte könnte die karriere katapultieren
Gegen Sporting Braga wehrte Atubolu den sechsten seiner letzten sieben Strafstöße ab. Dennoch kassierte er in der Nachspielzeit das 1:2, als der Ball ihm aus den Händen sprang und Mario Dorgeles einschob. „Ich habe die Szene nicht gesehen“, sagte er später. Fehler wie dieser kratzen an der Perfektion, die Premier-League-Scouts verlangen – und treiben den Preis trotzdem in die Höhe.
20 Millionen Euro Marktwert, ein Jahr Vertrag, kein Gespräch über Verlängerung. Die Zahlen sprechen für sich. Atubolus Beraterwechsel im Januar war kein Zufall; er signalisierte Bereitschaft für den nächsten Schritt. Freiburg wird ihn nicht ablösefrei ziehen lassen, das wäre wirtschaftlicher Selbstmord. Also: Finale gewinnen, Preis steigt. Ausscheiden, Preis steigt trotzdem, weil dann die Zeit drängt.

Englands klubs schauen schon, nagelsmann wartet
Nottingham Forest und Aston Villa liefern sich im anderen Halbfinale ein Duell, das Atubolu live verfolgt. Beide sind potenzielle Gegner in Istanbul – und potenzielle Arbeitgeber im Sommer. Die Liga, von der er als Kind träumte, lockt mit Gehältern, die Freiburg nie wird bezahlen können. Zweimal war er bereits bei der Nationalmannschaft dabei, ein Länderspiel fehlt noch. Manuel Neuer sagte ihm zu Saisonbeginn: „Ihm stehen alle Türen offen.“ Die kann man sich nur einmal aussuchen.
Trainer Julian Schuster weiß, dass heute nicht nur ein Finale auf dem Spiel steht. „Wir spielen für die Geschichtsbücher“, sagt er. Aber die Geschichtsbücher haben nur eine Seite pro Spieler. Atubolu muss entscheiden, ob seine auf Schwarzwald-Boden oder auf englischem Rasen geschrieben wird.
21.00 Uhr, Europa-Park-Stadion. Er spielt entweder sein letztes Heimspiel im Breisgau – oder das vorletzte vor einer Zukunft, die längst beschlossen ist. Die Fans skandieren seinen Namen. Sie ahnen, dass sie ihn so schnell nicht wieder sehen werden.
