Aston villa verlagert trainingslager nach spanien: emery jagt champions-league-ticket

Kein Ball rollt in der Premier League, doch im Campo 4 von La Manga del Mar Menor knallt es jeden Morgen um neun. Sixty heads, one goal: Aston Villa hat den englischen Pokal-Wildcard-Slot genutzt, um in Murcia einen Turbo zu ziehen. Die Europa-League-Viertelfinals gegen Bologna rücken näher, die Champions-League-Ränge sind nur einen Punkt entfernt – und Unai Emery lässt seine Truppe nicht daddeln.

Statt pool-cocktails: sprintserie bei 19 grad

Die Spieler laufen barfuß in Flip-Flops vom Hotel La Torre zum Platz, einige tragen bereits die Stollen unter dem Arm. Kein Instagram-Gequake, dafür Open-Air-Gym und englische Kommandos, die über die Centreline schallen. John McGinn bekommt einen One-Touch-Pass verpasst, Emery brüllt „Shape!“ – Sekunden später flutscht der Ball genau in die Laufrichtung von Ollie Watkins. Kleine Korrektur, große Wirkung.

Hinter der Torlinie sitzt Sportdirektor Damià Vidagany auf einer klappbaren Kunststoffstuhl-Row und diskutiert mit Scouting-Chef Pablo Álvarez über den Sommer-Kader. „Die Premier League misst sich nur mit sich selbst“, sagt er knapp. „Wer sich auf Spanisch versteht, spart Zeit – aber auf dem Rasen zählt Englisch.“ Das klingt hart, ist aber ein Eigentor für alle Klubs, die noch auf outdated Dreierkette setzen.

Zwischen den Einheiten kocht Villas eigene Küchencrew. Drei Köche reisten mit, Makronährstoffe und Hydrations-Level werden per App gesteuert. Lucas Digne scherzt auf Französisch mit Diego Carlos, während Tyrone Mings nach der Reha seine Sprints auf dem Kunstrasen absolviert. Die U-21-Kicker, mitgereist als Sparringspartner, bekommen Extra-Videoeinheiten. Emery selbst schneidet Szenen zusammen, bis die Lichter im Konferenzraum um Mitternacht ausgehen.

Testspiel gegen elche als feuertaufe

Testspiel gegen elche als feuertaufe

Am zweiten Tag folgt das Geheimspiel in Pinatar Arena. 60 Minuten intensiv, 30 Minuten Taktik-Modus. Samuel Chukwueze tritt als Doppelpass-Schattenstürmer auf, Matty Cash überlappt wie ein Mitläufer auf Red Bull. Das 3:1 gegen Elche zählt nur als Nebengeräusch, wichtiger ist die Daten-Lektüre: 192 Sprintduelle, 63 Prozent Ballbesitz, keine Muskelverletzungen. Emery notiert sich Stichpunkte auf einer gelben Karte – seine Handschrift ist kaum leserlich, die Botschaft klar: Nächste Woche in Birmingham wird verschärft.

Der Kalender schenkt zwei freie Tage, bevor in Bodymoor Heath der nächste Lehrgang startet. Kein Strandurlaub, kein Marketing-Gag. Villa nutzt die Lücke, um die Saison nicht zu verspielen. Wer jetzt noch glaubt, die internationalen Pausen seien Luxus, hat die Premier-League-Realität verpasst: Hier wird selbst der Urlaod zum Wettbewerbsvorteil.

Endstand der Geschichte: Keine Magie, nur Methode. Und wenn sich in drei Wochen das Champions-League-Feuer entzündet, weiß jedes Mitglied der Reisegruppe, wofür die blauen Plastikstühle in Spanier Sonne gestanden haben.