Gislason nennt den einzigen club, der magdeburg gefährlich werden kann
Alfred Gislason lässt den Blick über die Tabelle gleiten und stoppt bei einem Namen: Füchse Berlin. „Wenn überhaupt jemand Magdeburg stoppen kann, dann diese Mannschaft“, sagt der Bundestrainer vor dem Kracher am Samstag (16.05 Uhr) in der Getec Arena. Der Tabellenführer empfängt den Angreifer, der seit neun Spielen nichts anbrennen lässt – und plötzlich wirkt die Meisterschaft offen.
Warum das erste duell nur ein trugschluss war
39:32 – ein Ergebnis, das lügt. Das September-Treiben in der Max-Schmeling-Halle erinnert Gislason an einen „sehr eigenartigen“ Abend. Berlin stand unter Schock, weil Sportvorstand Stefan Kretzschmar und Coach Jaron Siewert freigestellt worden waren. „Die Jungs liefen mit Rucksäcken vors Gesicht“, sagt der Isländer. Magdeburg nutzte die Lethargie gnadenlos aus, doch der Eindruck verblaßt. Seitdem hat Berlin neunmal gewonnen, zweimal gegen Kiel, einmal in Flensburg. Die Moral kehrte zurück, das Spiel auch.
Was Gislason besonders gefällt: die Breite. Linksaußen Reinkind, Kreisläufer Zachrisson, Mitte Drux – alle fit, alle hungrig. „Sie haben kein Kalenderloch mehr, sondern einen Kader“, sagt er und lacht über seine eigene Wortkreation. Magdeburgs Coach Bennet Wiegert wisse das. „Er wird 60 Minuten lang keine Atempause bekommen.“

Die zahl, die magdeburg nervt
Neun Siege hintereinander sind keine Serie, sondern ein Statement. Berlin warf dabei im Schnitt 34,7 Tore, kassierte nur 27,1 – ein Plus von 7,6 Treffern pro Spiel. Die Defensivwand um Häfner und Nullig wirft Fragen auf: Wie bohrt man sie auf? Magdeburg hat die meiste Treffergarantie mit Péttersson und Nielsen, aber genau das wissen die Füchse. „Wenn wir es schaffen, deren Kreisläufe früh zu stören, haben wir eine Chance“, sagt Kapitän Drux im Trainingslager in Grünheide.
Die Partie könnte die Saison neu justieren. Gewinnt Magdeburg, beträgt der Vorsprung fünf Punkte – ein Sechser im Lotto. Verliert der SCM, schrumpft die Differenz auf einen einzigen Zähler, und Berlin hätte das bessere Torverhältnis. „Dann reden wir plötzlich über ein Meister-Duell und nicht mehr über einen Vorsprung“, sagt Gislason. Er wird live dabei sein, Block 12, Reihe 3 – und notieren.
Der Countdown läuft. In Magdeburg glühen die Handys, Karten wurden nachgedruckt, 6.800 Zuschauer werden laut. Draußen am Elbufer zieht der Frühling durch die Straßen, drinnen könnte er für eine Serie enden – oder für eine andere beginnen. Fakt ist: Wer heute gewinnt, schickt nicht nur drei Punkte nach Hause, sondern eine Botschaft. Und die landet direkt im Kopf des Gegners.
