Armbruster kapituliert in lahti: das olympia-comeback endet im energie-absturz

Nathalie Armbruster schleppte sich mit bleichen Lippen über die Zielgerade, die Beine schwer wie Wasser, der Blick leer. Rang sechs im finnischen Lahti – das klingt nach einem soliden Resultat, ist für die Titelverteidigerin aber nichts weiter als ein blutleerer Abgesang auf eine Saison, die sie eigentlich mit einem dritten Kristallpokal krönen wollte.

Minja korhonen riss sich den ersten weltcup-sieg und die heimat mit

Während die 20-jährige Deutsche noch Luft holte, tobte das Stadion: Minja Korhonen hatte als erste Finnin überhaupt ein Damen-Weltcuprennen gewonnen. Dabei war die 22-Jährige vor dem Lauf noch 0,8 Sekunden hinter der Norwegerin Ida Marie Hagen zurückgelegen. Im Zielsprint drehte Korhonen den Spieß um, verweigerte Hagens elften Saisonsieg und schickte die dominante Norwegerin erstmals seit November ins Leere. Die Zahlen sind gnadenlos: Hagen führt die Gesamtwertung mit 1100 Punkten an, Armbruster folgt mit 412 Zählern – ein Abstand, der keinen Zweifel daran lässt, dass der Wanderpokal bereits verpackt ist.

Armbruster selbst sprach nach dem Rennen mit einer Stimme, die zwischen Erschöpfung und blankem Frust schwankte: „Die fünfwöchige Olympia-Pause hat mich ausgezehrt. Ich habe auf jeder Bühne für unsere Sportart gekämpft, habe Termine bei IOC, DOSB und Fernsehsendern gedreht, habe Interviews gegeben, bis mir die Kehle brannte.“ Dann der Satz, der alles sagt: „Ich bin einfach leer.“

Der kampf jenseits der piste frisst kilokalorien

Der kampf jenseits der piste frisst kilokalorien

Was kaum jemand mitkriegt: Während die Skispringer und Langläufer in Mailand-Cortina Medaillen einheimsten, stand Armbruster vor allem im Büro. Die Nordische Kombination der Frauen ist weiter kein Olympia-Programm, also wurde demonstriert, petitioniert, lobbyiert. Jede Pressekonferenz ein Kraftakt, jedes Gespräch mit Funktionären ein Sprint. Die Folge: ein Körper, der sich im Endspurt weigert. „Ich spüre, dass meine Saison körperlich und mental vorbei ist“, sagte sie offen. „Und ehrlich gesagt ist mir das auch ganz recht.“

Die Uhr tickt laut: In genau 17 Tagen steht das Finale in Schonach an. Armbruster will antreten, „aber nur, wenn ich wieder schlafen kann, ohne dass mir die Sätze des IOC-Präsidenten im Kopf herumspuken“. Der Verband plant bereits ein Reduktions-Camp – weniger Medien, mehr Yoga, keine Interviews vor 10 Uhr. Die Athletin lacht schief: „Vielleicht reicht es ja für einen Podestplatz, wenn ich erst mal durchatme.“

Die Konkurrenz schläft nicht. Alexa Brabec (USA) fuhr auf Rang drei und kündigte an, im Sommer erstmals auf der Großschanze zu trainieren. Ida Marie Hagen hat bereits neue Ski bestellt, „extra steif für die nächste Saison“. Und Minja Korhonen? Die küsste ihre Finnland-Flagge, steckte sich einen Kaugummi ein und sagte: „Ich wollte nur beweisen, dass wir Frauen das auch können.“

Für Armbruster bleibt die Erkenntnis, dass manchmal der größte Sieg darin besteht, überhaupt noch auf die Startliste zu stehen. Die Kristallkugel ist dieses Jahr verloren, aber das Olympia-Gevecht geht weiter – nur mit frischeren Beinen und weniger Terminkalender. Wenn sie in Schonach wieder an der Schanze steht, wird sie sich vielleicht an Korhonens Worte erinnern: „Träume lohnen sich, wenn man sich nicht auslaufen lässt.“