Antonelli schlägt zurück: zweite pole, verstappen versinkt

Kimi Antonelli lässt Suzuka spüren, was schon Shanghai gelernt hat: Der 19-Jährige ist nicht mehr aufzuhalten. Mit der zweiten Pole in Serie bohrt der Mercedes-Junior in der japanischen Nacht nach – und schickt Teamkollege George Russell erneut ins zweite Glied.

Die Uhr auf der Zeitmessung springt auf 1:27,945 Minuten, die Tribüne brüllt, und im Fahrer-Mikro summt eine Stimme, die noch vor zwölf Monaten Formel-4-Gegner nervte. „Ich habe das Auto auf Anhieb verstanden“, sagt Antonelli, als hätte er nicht eben die Königsklasse neu erfunden. Der Italiener wirkt so lüftig, als stünde er am Kartbahn-Eingang, doch die Konkurrenz schwitzt. Russell verliert 0,173 Sekunden, Oscar Piastri im McLaren 0,281 – und Weltmeister Max Verstappen verliert die Besinnung.

Verstappen schimpft, das auto zickt

„Plötzlich ist es unfahrbar, irgendwas ist kaputt“, funkt der Red-Bull-Pilot nach dem enttäuschenden elften Platz. Seine Japan-Siegesserie – vier Jahre, vier Siege – droht zu reißen. Die Datenlogger spucken später keinen Defekt aus, nur eine massiv ausbrechende Heckschäuble. Doch wer Verstappen kennt, weiß: Er hasst Fragen nach dem Auto mehr als Niederlagen. Im Fahrerlager flüstert man: Motorprogramm und Bodengruppe passen nicht zur neuen Streckencharakteristik. Eine Spur zu spät, eine Idee zu wenig – das reicht, wenn Antonelli die Pace vorgibt.

Nico Hülkenberg erlebt das Gegenteil von Glamour. Der Audi-Pilot rutscht als 13. ab, verpasst Q3 um zwei Zehntel, und die Planstellen in Neckarsulm werden vor Wut kurz schlagartig leer. „Wir verlieren auf den Geraden zweieinhalb Zehntel, das Auto ist ein Anker“, sagt er knapp. Die Zeitanalyse bestätigt: Höchstgeschwindigkeit 322 km/h, Schlusslicht im Feld.

Punktegleichstand macht russel nervös

Punktegleichstand macht russel nervös

In der WM-Tabelle trennen nur vier Zähler Russell von Antonelli. Der Brite mag zwei Rennen gewonnen haben – Sprint und Auftakt –, doch die Momente, die sich ins Gedächtnis brennen, liefert der Rookie. Shanghai war erst der Auftakt; Suzuka kann die Vorentscheidung bedeuten. Mercedes-Teamchef Toto Wolff spricht von „einem Luxusproblem, das jede Mannschaft gern hätte“, doch hinter den Kulissen laufen bereits Simulatorläufe für Upgrades in Imola. Wer nächste Woche länger vorne ist, erhält Priorität bei der Entwicklung. Die interne Machtfrage könnte sich früher entscheiden als gedacht.

Start Sonntag, 7 Uhr MESZ. Dann wird klar, ob Antonelli nach der jüngsten Pole auch die nächste Geschichte schreibt – oder ob sich Verstappen mit einem wurstigen Rennsetup rauscht. Die Wette: Wer in Suzuka früh vorbeizieht, wird im Herbst um die Krone fahren. Die Wetter-App prophezeit 14 Grad und einen Wind aus westlicher Richtung. Perfekt also für Driftlaune – oder für den nächsten Auftritt eines 19-Jährigen, der die Formel 1 gerade umkurvt.