Antonelli auf messers schneide: kann er in monaco den geist sennas kanalisieren?

Monaco, 4. Juni – Kimi Antonelli steht vor einer Prüfung, die weit über die reine Rennleistung hinausgeht. Als Tabellenführer der Formel-1-Weltmeisterschaft reist er ins Fürstentum, getrieben von einem Traum: Die gleiche spirituelle Verbindung zu spüren, die Ayrton Senna auf dieser legendären Strecke empfand.

Ein spiritueller pilgerweg auf dem circuit de monaco

Ein spiritueller pilgerweg auf dem circuit de monaco

Die Geschichte besagt, dass Ayrton Senna 1988 in Suzuka die Gegenwart Gottes sah. Antonelli, der Senna als sein größtes Idol verehrt, sucht nun an einem Ort nach einer ähnlichen Erfahrung, der für viele Piloten schon immer eine Art spirituelles Zentrum war. Es geht nicht nur um das Rennen, sondern um die Verbindung zu einer Legende.

Die Qualifikation am Samstag wird dabei entscheidend sein. Sie ist die Essenz des Großen Prix von Monaco, der Moment, in dem sich die Hoffnungen und Träume der Teams und Fahrer konzentrieren. Antonelli, der bereits in Montreal von der Adrenalin-geladenen Atmosphäre sprach, weiß, dass er in Monaco noch tiefer in diese Gefühlswelt eintauchen muss. Denn wer Senna in sich trägt, muss auch seine Mystik verinnerlichen – zumindest ein wenig.

Doch was bedeutet das konkret? Es ist nicht die Erwartung einer göttlichen Vision, wie sie die Legende der Santa Devota, der Schutzpatronin des Fürstentums, erzählt. Es geht darum, die unbändige Leidenschaft und das unglaubliche Talent Senna zu kanalisieren, die ihn zu einem Sechs-fachen Sieger in Monaco machten, zu einem fünfmaligen Polesetter und zu einem Piloten, der die Kurven mit einer scheinbar übernatürlichen Präzision durchfuhr.

Besonders in Erinnerung geblieben ist das Qualifying von 1988, das Senna selbst als seinen „perfekten Rundgang“ bezeichnete – eine Erfahrung, die ihn demnach außerhalb seines Körpers erscheinen ließ. Sein Physiotherapeut Josef Leberer berichtete, dass Senna sich in einer Trance befunden und sich selbst von außen beobachtet habe. Ein Zustand extremer Konzentration und Präzision.

Antonelli, der Senna zwar nie live erlebt hat, sondern ihn durch DVDs und YouTube-Videos kennenlernte, wurde von seinem Vater Marco schon in jungen Jahren mit den Rennen der 80er und 90er Jahre vertraut gemacht. Es war der kleine Kimi, der sich für Senna begeisterte, der ihn als sein Idol auserkoren hat. Heute erinnert er an ihn mit einem Miniatur-Helm als Schlüsselanhänger an seinem Mercedes-AMG GT 63 und zwei Miniaturfiguren – eine von ihm selbst und eine von Senna – in seinem Bücherregal.

Er fährt mit der Startnummer 12, die Senna sowohl bei Lotus als auch bei McLaren trug. Und im vergangenen Jahr, bei seinem ersten Rennen in Interlagos, besuchte er das Grab von Senna in Morumbi, um ihm einen letzten Gruß zu zollen. Denn wo die sterblichen Überreste ruhen, ist nicht der Ort, wo sein Geist zu finden ist – dieser scheint in den engen Kurven von Monte Carlo zu leben.

Letztes Jahr scheiterte Antonelli in der Qualifikation an der Chicane du Port und beendete das Rennen auf dem enttäuschenden 18. Platz. Seitdem hat er seine Welt und seine Position im Weltmeisterschaftsranking umgekehrt. Jetzt kommt er als Tabellenführer nach Monaco, mit dem festen Willen, seinem Idol in seinem Geiste zu folgen. Es ist mehr als nur ein Rennen – es ist eine Hommage, eine Pilgerfahrt auf dem Circuit de l'âme.