Anton gavel baut bayern-angst: „vollkappelle geknackt – und wir wollen mehr“

Bamberg ist wieder Freak-City, und Anton Gavel der neue Puppenspieler der Liga. Drei Wochen, zwei Siege gegen den FC Bayern – erst das Pokalhalbfinale, dann Liga. Der 41-jährige Coach lacht nüchtern: „Ja, es ist schön, eine volle Kappelle Bayern zu schlagen.“ Die Zahlen sprechen ohne Pathos: fünf Erfolge in Serie, Platz drei bei Budget Nummer 18. Die Frage lautet nicht mehr, ob das ein Flirt ist, sondern wie lange die Affäre dauert.

Bayern-schreck? gavel wischt ab: „nur eine momentaufnahme“

Die Presse liebt Etiketten, Gavel hasst sie. „Bayern-Schreck“ nennt man seine Truppe, doch er sieht nur Trainingszeit und Matchup-Vorteil. Dienstag und Donnerstag hatte der Rekordmeister Euroleague gespielt, Sonntag stand Bamberg bereit – frischer, tiefer, hungriger. 31 Punkte von Andreas Obst? „Nicht geschockt“, sagt Gavel. „Wir haben Antworten gesucht und sie gefunden.“ Das Rezept: Defense first, dann ein zweites Viertel, in endlich ein paar Würfe fielen. Der Rest war Kopfsache.

Ob Bayern in einer Best-of-five-Serie zu schlagen sei? Er zuckt mit den Schultern. „In einem Spiel ja, in einer Serie verdammt schwer.“ Die Erinnerung an Ulm 2021 schwebt durch die Halle, doch Gavel mag keine Historien. „Andere Spieler, andere Coaches.“ Er spricht wie ein Mann, der weiß, dass Gestern Papier ist und Morgen schon heute beginnt.

Kaderpuzzle: play-off-hirne statt stars

Kaderpuzzle: play-off-hirne statt stars

Der Etat liegt bei 3,5 Millionen Euro – Mindestlohn in der BBL. Doch Gavel kaufte nicht Glamour, sondern Gerissenheit. EJ Onu ist polnischer Meister, Richard Balint turnte in Prag Finals, Zach Ensminger rochierte in Finnland, Austin Crawley blockte in Rumänien, Daniel Keppeler stieg aus der ProA. „Wir suchten Spieler, die schon schwitzten, wenn es brennt“, sagt Gavel. Das Resultat: kein Panik-Modus, egal wie laut die Uhr tickt.

Führung? Kollektiv. Gegen Bayern floppte Topscorer Cobe Williams, dafür explodierte Ibi Watson, Onu versiegelte den Ring mit fünf Blocks. „Jeder trägt mal das Feuer“, sagt Gavel. „Das macht uns unberechenbar.“

Vertragsfristen, bayern-gerüchte, champagner

Vertragsfristen, bayern-gerüchte, champagner

Die Verträge von Williams, Watson, Onu und Ensminger enden im Juni. „Mehr als schwierig“, raunt Gavel. „Andere locken mit dickeren Schecks.“ Dass sein Name plötzlich in München auftaucht, ignoriert er mit einer Handbewegung. „Kein Thema, solange hier noch Spiele zu gewinnen sind.“

Champions-League-Träume? „Nächste Saison ist Morgen“, sagt er und deutet auf die Tabelle: Platz drei, zwei Siege Vorsprung, acht Spiele Rest. „Erst die Play-offs, dann den Champagner.“

Die Fans in der Brose-Arena glauben wieder. Schlagersongs, gelbe Welle, „Freak-City“-Rufe bis in die Nacht. Gavel steht vor der Halle, Zipfel seiner Kapuze hochgezogen. „Wir haben sie zurückgeholt“, sagt er leise. „Jetzt müssen wir sie halten.“ Dann verschwindet er im Katakombenlicht – ein Trainer, der gerade erst angefangen hat zu zittern, und eine Stadt, die endlich wieder laut schreien darf.