Riera zieht schon die notbremse – eintracht frankfurt rutscht in die show-krise

Albert Riera trat vor sieben Wochen als Entertainer an, jetzt steht er mit dem Rücken zur Wand. Die Frankfurter Eintracht verlor in Mainz erneut, die Show findet nur noch im Presse-Raum statt – und der Trainer liefert schon die Ausreden für den Sommer.

1:2 in Mainz, Sieben Punkte aus sieben Spielen, Platz sieben als Minimalziel. Die Zahlen sind so klar wie das Urteil der Tribüne: Diese Eintracht wirkt ideenlos, planlos, lustlos. Wer erwartet, dass der Coach nach so einem Auftritt die Verantwortung übernimmt, kennt Riera nicht. „Es wäre ein Wunder gewesen, wenn wir hier gewonnen hätten“, sagte er und verwies auf die Historie – als hätte sich Frankfurt gerade einer Naturkatastrophe stellen müssen.

Riera erfindet eine eigene statistik

Die Realität sieht anders aus. Union, Gladbach und St. Pauli schossen mehr Torschüsse, zwei von ihnen erzielten mehr xG. Trotzdem behauptet der Spanier, seine Elf erschaffe „in jedem Spiel mehr Chancen“. Die Spieler selbst rätseln seit Wochen über diese Form der Wahrheitsfindung. Intern sickert durch, dass selbst erfahrene Profis die ständigen Positionswechsel und Videomarathons als „overcoacht“ bezeichnen. Mario Götze, Weltmeister von 2014, durft gegen Mainz mal wieder zuschauen – nicht wegen Form, sondern wegen Dogma.

Die stolze Ankündigung, dass acht Tage Urlaub in der Länderspielpause drin seien, ließ Mitgliedern der Führungsetage die Kinnlade sinken. Rekonvaleszente wie Knauff oder Ebnoutalib hätten mit Ball trainieren können, stattdessen erhalten sie Laufpässe. „Wir haben noch sieben Endspiele“, sagt Riera. Klingt nach Kampf, ist in Wahrheit ein Freifahrtschein: Wenn es schiefgeht, lag’s am Kader, nicht an der Idee.

Die magie verpufft – vor allem auf dem rasen

Die magie verpufft – vor allem auf dem rasen

Der Coach liebt Bilder: Haie, die Blut wittern. Balkone, von denen man springt. Theater, das Leben. Auf dem Platz aber funktioniert nicht mal das Einfachste. Kein automatisches Pressing, keine klare Spielstruktur, dafür 90 Minuten Gebolze, weil sich keiner sicher ist, was der Kollege als Nächstes tut. Burkardt, Doan, Bahoya, Kalimuendo – genug Qualität, um Mainz zu betäuben. Stattdessen betäubt Riera die Wahrnehmung, indem er eben jene Qualität öffentlich in Frage stellt.

Der Klub schwieg zuletzt, doch der Druck steigt. Sportschau-Informationen zufolge hat sich die Skepsis in der Kabine „deutlich vergrößert“. Die nächsten Gegner: Leverkusen, Dortmund, Leipzig. Wer dort punktlos bleibt, rutscht in die untere Tabellenhälfte. Dann spielt keine Metapher mehr mit, dann zählt nur das Ergebnis – und die Frage, ob die Eintracht im Sommer erneut den Trainer oder gleich die ganze Philosophie wechselt.

Riera sagt: „Ich weiß nicht, ob es der richtige Weg ist, aber es ist mein Weg.“ Frankfurt spürt schon, dass dieser Weg steil nach unten führt. Die Show ist vorbei, jetzt muss Fußball her – sonst wird aus der Tragödie schnell eine Farce ohne Happy End.