Ancelotti reisst sohn davide zurück – brasilien startet wm-kader-poker

Carlo Ancelotti schlägt zurück. Nach seinem Machtwort beim Brasilianischen Verband (CBF) holt der 66-Jährige für die WM-Generalprobe gegen Frankreich und Kroatien seinen ältesten Sohn Davide wieder an die Seitenlinie. Die Entscheidung fällt nur vier Monate, nachdem der 36-Jährige seinen Posten als Assistent aufgab, um bei Botafogo den Sprung in die Cheftrainerrolle zu wagen – ein Experiment, das nach 14 Spielen und Platz sechs bereits wieder beendet war.

Die rückkehr des prinzen

Intern nennt man die Personalie „Projekt Kontinuität“. Davide kennt die Codes der Selecao, spricht fließend Portugiesisch und gilt intern als „Daten-Fuchs“, der die Gegner-Videoanalysen so detailliert vorbereitet, dass selbst Neymar ihm den Spitznamen „Google“ verpasste. Sein Vater braucht diese Kompetenz jetzt mehr denn je. Nach der 0:1-Pleite gegen Argentinien und dem unrühmlichen Abstieg in die FIFA-Rangliste auf Platz fünf ist der Druck auf dem fünffachen Weltmeister gigantisch.

Die CBF bestätigte AFP am Montagabend, dass Davide bereits am 26. März im Prinzenpark und fünf Tage später im Maracanã wieder mit Headset und Tablet neben Carlo stehen wird. Vertraglich ist die Rückholaktion ein Leihgeschäft: Botafogo behält die Rechte, zahlt aber kein Gehalt mehr. Für Davide bedeutet das: null Risiko, volle Sichtbarkeit – und die Chance, bei seiner vierten WM als Co-Trainer endlich den Titel mit Vater Carlo zu holen.

Gruppe c wird zur schicksalsgruppe

Gruppe c wird zur schicksalsgruppe

Brasilien startet am 13. Juni gegen Marokko, folgen Haiti (19. Juni) und Schottland (24. Juni). Die Marschroute ist klar: neun Punkte oder Ancelotti steht erneut auf dem Prüfstand. Die CBF hat intern den Viertelfinaleinzug zur Mindestkurs erklärt, sonst droht die vorzeitige Vertragsauflösung. Carlo selbst weiß: Seit 2002 wartet die Selecao auf den sechsten Stern, und jeder weitere Patzer kostet nicht nur Punkte, sondern auch politisches Kapital.

Lo que nadie cuenta ist die psychologische Komponente. Davide gilt bei den Spielern als „Brückenbauer“. Casemiro sagte kürzlich im Mixed-Zone-Gespräch: „Wenn Davide zurückkommt, fühlen wir uns sofort wohler. Er spricht unsere Sprache – nicht nur verbal, sondern auch fußballerisch.“ Genau diese Chemie will Ancelotti nutzen, um die angeknackste Selbstwahrnehmung des Teams zu kitten.

Die Uhr tickt. Noch 103 Tage bis zur Eröffnung in New York. Brasilien hat sich in den vergangenen Wochen vor allem mit internen Machtkämpfen und PR-Desastern beschäftigt. Die Rückkehr des Sohnes ist die erste Maßnahme, die wieder an Fußball erinnert. Ob sie reicht, wird sich am 24. Juni zeigen – spätestens dann steht fest, ob Ancelotti senior dann noch Coach ist oder ob der Sohn den Vater beerben muss.