Mainz reist mit 2:0-polster nach straßburg – fischer erwartet hexenkessel-finale

Die Null muss stehen, sonst wird es eng. Mainz 05 reist mit zwei Toren im Rücken nach Elsass, doch Urs Fischer warnt: „Wenn der Funke in der Meinau überspringt, verlieren wir das Zeitgefühl.“

Fischer fordert topleistung im „hexenkessel“

Fischer fordert topleistung im „hexenkessel“

Der Schweizer spürte bereits beim Warmmachen das Brummen. 29.000 Franzosen, ein Stadion, das auf Stelzen zu stehen scheint. „Ich rechne mit einem Feuerwerk ab der ersten Sekunde“, sagt er, während draußen die Polizeipferde schnauben. Seine Devise: „Cool und mutig, aber niemals tief stehen.“ Denn die 2:0-Führung aus dem Hinspiel ist, wie er es nennt, „nur die halbe Miete in einer Woche, in der Pokalmärchen platzen“.

Die Mainzer haben die Lektion gelernt: letzte Saison kippte ein 3:0 noch in der Nachspielzeit. Deshalb trainierte die Mannschaft am Mittwochabend bis nach Einbruch der Dunkelheit Standards gegen neun Stangen. Dominik Kohr, 32 Jahre, 257 Bundesliga-Spiele, packt das Faustpfand Erfahrung aus: „Wir bringen Männerfußball, keine U23. Die Jungs von Straßburg schauen uns an und wissen: Die kennen die Hölle.“

Doch die Zahlen sprechen auch anders. Racing Straßburg hat zuhause seit Januar nicht mehr verloren. Drei Mal in Folge kassierte Mainz in Frankreich mindestens zwei Gegentore. Die Statistik nagt. „Deswegen schießen wir ein Tor“, sagt Fischer, „und verteidigen nicht nur.“ Die Anweisung ist klar: sobald der Ball rollt, soll Lee Jae-sung wie ein Boxer in die erste Reihe stürmen, um das Momentum zu kappen.

Im Mixed Zone flüstern die Betreuer von einem „Geisterspiel im Kopf“. Kein Fan darf mit 2:0-Denken ins Stadion gehen. Die Kabinentür ist mit einem Zettel verklebt: „0:0 anfangen, 1:0 denken, 90 Minuten leben.“

Kick-off ist um 21:00 Uhr, live auf RTL. Wer dann in der Meinau noch zögert, fliegt raus. Mainz will das Finale in Prag. Der erste Schritt führt durch einen Hexenkessel – und vielleicht gerade deshalb zurück in die Realität der Topleistung.