Lukas Kwasniok: Der Flirt mit dem HSV ist vorbei
Der flirt mit dem hamburger sv ist für lukas kwasniok (44) mittlerweile vergangenheit.
Der Trainer des 1. FC Köln, Lukas Kwasniok, hat seinen Flirt mit dem Hamburger SV abgeschlossen. "Ich bin sehr glücklich, dass der SC Paderborn damals standhaft geblieben ist. Weil ich glaube, dass der FC im Moment das Beste für mich ist", sagt Kwasniok vor dem Aufsteiger-Duell am Sonntag gegen den HSV im Gespräch mit SPORT BILD.
Rückblick: die chance mit hamburg
Ende 2024 trennten sich die Norddeutschen von ihrem Coach Steffen Baumgart (53) und buhlten um Kwasniok als dessen Nachfolger. Doch der Zweitligist Paderborn erteilte seinem damaligen Fußball-Lehrer keine Freigabe. Kwasniok war sauer, da er die bessere Chance sah, mit einem großen Klub wie Hamburg in die Bundesliga aufzusteigen – anstatt mit den Ostwestfalen.
Der weg zum fc köln
Ein halbes Jahr später erfüllte sich für Kwasniok trotzdem der Wunsch, in der Bundesliga zu arbeiten: Der FC holte ihn für rund eine Million Euro Ablöse. Bisher entwickelte sich eine erfolgreiche Partnerschaft zwischen dem dreimaligen Deutschen Meister und dem Übungsleiter. Zwar verlor Köln zuletzt unglücklich 0:1 in Dortmund. Aber nach dem achten Spieltag steht der FC auf einem guten achten Platz – fünf Ränge vor dem HSV.
Anpassung und werte
"Als Trainer muss man sich an die Gegebenheiten einer Mannschaft – aber auch einer Stadt anpassen –, ohne dabei seine Werte aufzugeben. Ich genieße es, wie es hier in Köln ist. Die Voraussetzungen passen zu meinem Naturell. Wie der Verein tickt, wie die Stadt tickt", sagt Kwasniok.
Vertrauen und förderung
Der Coach kommt mit seiner klaren, offenen Art gut an – vor allem bei seinen Spielern. Er nimmt sich sehr viel Zeit für Einzelgespräche mit ihnen. Das sorgt für großes Vertrauen. Er gilt als großer Spieler-Förderer wie von Said El Mala (19). Das Supertalent kam in der Bundesliga achtmal zum Einsatz, erzielte bereits drei Tore, bereitete einen Treffer vor und steigerte seinen Marktwert unter Kwasniok innerhalb von vier Monaten von drei auf 18 Millionen Euro.
Konkurrenzkampf und rotation
Kwasniok kündigt nicht nur an, sondern hält Wort – wie beim Thema Konkurrenzkampf. "Grundsätzlich wollen wir Leistung belohnen. Die Trainingsleistung ist dabei genauso wichtig wie die Spielleistung. Für die Stimmung in einer Mannschaft ist es wichtig, dass die Spieler wissen, dass sie sich in die erste Elf trainieren können. Es muss niemand, der draußen sitzt, darauf hoffen, dass wir verlieren, damit er eine Chance bekommt. Ich verändere auch die Gewinner-Mannschaft, wenn jemand drei, vier Tage super trainiert hat", sagt Kwasniok.
Mannschaftsführung und inspiration
Er setzte in dieser Bundesliga-Saison bislang 22 verschiedene Spieler ein, das liegt im Liga-Schnitt. Das Besondere aber: Kwasniok vergibt fast an jedem seiner Profis Chancen von Beginn an, 19 dieser 22 Spieler standen mindestens einmal in der Startelf. Das war nur bei Leverkusen, Mainz und Stuttgart öfter der Fall, diese drei Klubs sind aber anders als Köln auch international im Einsatz und rotieren deshalb häufiger. Beim FC wird also fast der gesamte Kader genutzt. In Dortmund gab Cenk Özkacar (25) seine Bundesliga-Premiere als Starter. Mit derselben Anfangself wie im Spiel zuvor begann Köln unter Kwasniok noch nie. Im Schnitt nimmt der Trainer von Bundesliga-Spiel zu Bundesliga-Spiel zwei Änderungen in der Anfangsformation vor.
Inspiration und euphorie
Außerdem ist Kwasniok in der Mannschaftsführung wichtig: "Wenn du nicht immer wieder neue Impulse setzt, nutzt du dich schneller ab. Zum Beispiel arbeite ich mit Biografien, zeige mal Videos von erfolgreichen Sportlern oder Schauspielern, mal von Managern, die als Inspiration dienen können", sagt Kwasniok. So hat er im Laufe der Saison Ausschnitte des Basketball-Films "Coach Carter" mit Samuel L. Jackson (76) gezeigt, der aus einer Verlierer-Mannschaft Gewinner gemacht hat. Unter Kwasniok ist in Köln wieder eine gewisse Euphorie spürbar. Der Coach findet es gut: "Ich bremse sie nicht. Es gibt nichts Schöneres, als Menschen zu sehen, die sich über einen Sieg freuen. Dafür machen wir das. Wenn ich meine Familie und all die Fans auf der Tribüne sehe, dass alle glücklich sind, dann bin ich es auch."
