Wiegert blockt geburtstag ab: magdeburg vor dem k.o. gegen flensburg
Ein Punkt fehlt zum vierten Meistertitel, doch Bennet Wiegertfeiert lieber gar nichts. Selbst die 44 seines frisch gebackenen Ehefrau Lisa lässt er links liegen – zumindest bis Donnerstagabend, 20.00 Uhr, Dyn. Dann empfängt SC MagdeburgSG Flensburg-Handewitt, Tabellenführer gegen Verfolger, sieben Zähler Vorsprung, Saison-Endspurt. Wiegerts Kommentar zur möglichen Titelparty: „Null Komma Null.“
Frau hat geburtstag, coach hat einen job
Die Szene am Dienstag im Medienzentrum: Wiegert, 44, lehnt sich zurück, zieht die Augenbrauen hoch. Frage: Planen Sie schon? Antwort: „Ich hab morgen ein großes Ereignis. Meine Frau wird 44. Ich hoffe, ich schaffe es, körperlich UND mental anwesend zu sein.“ Das Lachen der Reporter klingt ab, als er nachlegt: „Die Geschäftsstelle macht alle Türen zu, wenn ich in der Nähe bin. Ich würde sonst die nächste Idee reinwerfen – und keiner will das hören.“
So bleibt alles beim Alten: Klapptische bleiben zugeklappt, Sektkisten versteckt, Planungswörter wie „Meister“ oder „Sause“ werden intern mit Emoji-Handyzeichen ersetzt. Nur das Kribbeln lässt sich nicht wegorganisieren. „Ich könnte sagen: kenn ich, war ich oft genug“, gibt Wiegert zu. „Aber die Spannung steigt jeden Tag. Ich will das nicht runterspielen.“

Die zahlen, die flüstern
Vier Spieltage, sieben Punkte Vorsprung – selbst ein Remis reicht, um die Schale vorzeitig in Magdeburg zu parken. 2022 und 2024 holte Wiegert den Titel als Trainer, 2001 als Rückraumshooter. Kein anderer aktiver Coach verbindet so viele Epochen des Klubs. Aber Erinnerungen reichen nicht gegen Flensburgs Tempo. Die SG gewann die letzten fünf Pflichtspiele, kassierte dabei nur 93 Tore. Wiegert: „Die kommen mit Messer zwischen den Zähnen. Wir müssen sie bei 50 Prozent halten, sonst wird’s eng.“
Intern laufen die Videos schon seit Wochen auf Repeat. Linksaußen Gøran Johannessen mit 62 % Trefferquote, Kreisläufer Simon Jeppsson als Rolltreppe in die Mitte, Rückraum Bombe Mads Mensah aus neun Metern. Wiegerts Gegenmittel: Druck von Sekunde eins, 3-2-1-Deckung, Tempogegenstoß über Matthias Musche. „Wenn wir 60 Minuten schwimmen, kriegen wir Probleme“, sagt er. „Aber wenn wir 60 Minuten beissen, kriegen sie sie.“

Die stunde der wahrheit tickt
Um 19.55 Uhr donnert der MSH-Anthem durch die Halle, 6.800 Menschen schwingen weiße Tücher. Dann liegt alles an einem einzigen Punkt – und an einem einzigen Coach, der selbst seinen Geburtstagskalender ignoriert. Wiegert, trocken: „Wenn wir gewinnen, kann ich vielleicht noch rechtzeitig zum Dessert nach Hause kommen. Wenn nicht, hab ich nächste Woche wieder Geburtstag – dann feiert vielleicht ganz Magdeburg mit.“
Die Schale steht schon im Flur der Geschäftsstelle, mit rot-weißem Tuch abgedeckt. Die Sektkisten auch. Nur der Mann, der sie holen kann, redet lieber über Ehefrau, Termine und Taktik. Donnerstag um 22.05 Uhr wissen wir, ob die Bombe doch noch hochgeht – oder ob Magdeburg weiter wartet, während Wiegert endlich Luft holt und zum ersten Mal an diesem Jahr „Happy Birthday“ summt.
