Kromp plant den neuanfang: werder verliert torschützenkönigin mühlhaus
Die Bilanz strahlt, die Zukunft stresst. Einen Tag nach dem 3:1 in Leverkusen und dem besten Bundesligajahr der Klubhistorischichte saß Friederike „Fritzi“ Kromp im Radio-Bremen-Studio – und sprach über den bevorstehenden Exodus. Zehn Spielerinnen verlassen den SV Werder, darunter Larissa Mühlhaus, die mit 17 Toren gerade die Torjägerkanone gewonnen hat. „So was kannst du nicht eins-zu-eins austauschen“, sagte die Trainerin.
Die lücke von 17 toren fällt ins gewicht
Mühlhaus wechselt zur EintrachtFrankfurt, nimmt ihre Dribblings, ihre Coolness im Strafraum und ihren Ruf als erste Bremer Nationalspielerin mit. Kromp rechnet offen: „Wir werden die Tore auf mehrere Schultern verteilen müssen.“ Neue Stürmerinnen sind im Gespräch, doch der Markt ist leer gefegt. Die Lösung? „Kreativität“, sagt Kromp und meint damit sowohl flexible Systeme als auch interne Lösungen wie die aufstrebende U-19-Torjägerin Lina Hausmann.
Die personelle Lücke ist gewaltig. Neben Mühlhaus verabschieden sich auch Verena Wieder (VfB Stuttgart) und Ricarda Walkling (Borussia Dortmund). Drei gestandene Leistungsträgerinnen, weg. Kromp sieht darin aber auch Chance: „Junge Spielerinnen bekommen jetzt automatisch Spielzeit.“

Professionalisierung oder abstiegskampf
Die 35-Jährige fordert vom Klub, „endlich auf Augenhöhe mit den Top-Clubs“ zu agieren. Gemeint sind bessere Reiseplanung, mehr Analysepersonal, höhere Gehälter. „Der Frauenfußball rüstet sich wie der Männerbereich, nur schneller“, warnt sie. Werde Werder nicht nachziehen, drohe „ein Jahr des Nachwuchses mit all seinen Risiken“.
Kromp selbst hat erstmal keine Transfer-Veto, sondern einen Fernsehtermin: Als ZDF-Expertin fliegt sie zur WM nach Kanada. „Dort schaue ich mir an, wie Profis ticken – und bringe das mit zurück.“ Die Spielerinnen sollen in der Pause taktisch reifen, körperlich wachsen. Zurück in Bremen steht dann ein Vorbereitungsplan auf dem Prüfstand, der ohne Mühlhaus, ohne Wieder, ohne Walkling auskommen muss.
Die Saison 2026/27 wird zeigen, ob Kromps Daumen-Hoch-Geste vom Montag berechtigt war – oder ob der sechste Platz nur ein letztes Hoch vor dem Sturz war. Die Trainerin selbst glaubt an Variante eins: „Wir haben die Messlatte angehoben. Jetzt liegt es an uns, sie nicht fallen zu lassen.“
