Alex freeman: vom nfl-spross zum us-wm-hoffnungsträger in 365 tagen
Mauricio Pochettino schickt ihn gegen Paraguay in die Start-elf – und kaum jemand hatte Alex Freeman vor 14 Monaten auf dem Zettel. Der Sohn eines ehemaligen Packers-Receivers spielte noch im College, wechselte dann für 3,5 Millionen Euro nach Villarreal und trägt nun die Stars and Stripes in ein Heim-WM-Fieber, das Amerika seit 1994 nicht mehr gespürt hat.
Fußball statt football: die familiäre rebellion
Der Vater fing Touchdowns, der Sohn jagt Flanken. Alex Freeman wuchs in Baltimore zwischen Helm und Halbschuhen auf, wählte aber das runde Leder. Die Entscheidung zahlte sich aus: Am 2. März 2025 feierte er sein MLS-Debüt für Orlando City, 34 Tage später stand er im Gold-Cup-Kader. „Verrückt“, sagt er selbst, „aber das war erst der Anfang.“
Pochettino ließ sich nicht lange bitten. Gleich in beiden Testspielen – gegen Senegal (45 Minuten) und Deutschland (72 Minuten) – lief Freeman von Beginn an auf. Keine Fouls, sechs Ballgewinne, acht von fünfzehn Zweikämpfen gewonnen. Die Zahlen klingen bescheiden, doch der Argentinier erkannte das Potenzial: robust, zweikampfstark und mit US-amerikanischer Mentalität.

Villarreal: zwischen anpassung und frustration
Der Transfer an die Cerámica im Januar 2026 war logisch – und brutal. Freeman wechselte von einem System, das ihn als offensiven Außenverteidiger bis in die gegnerische Box schickte, zu Marcelinos asymmetrischem 5-3-2. Dort ist er nun dritter Innenverteidiger oder defensiver Flügel. Drei Starts in neun Spielen sprechen eine klare Sprache: Der Sprung ist hart.
Die Daten bestätigen das Dilemma. Mit 18 progressiven Aktionen pro 90 Minuten ist Freeman der aktivste La-Liga-Lateralseiner Saison, gleichzeitig nur 61 % Tacklingquote und 1,96 Ballgewinne – Werte, die Marcelino „Geduld predigen“ lassen. „Ich muss lernen, wann ich nach vorne darf und wann nicht“, sagt Freeman. „Spanisch lerne ich auch noch schneller als das System.“

Pochettinos freiheitsbrief
Genau diese Lernbereitschaft stach Pochettino heraus. In der Nationalmannschaft rückte er Sergiño Dest einen Meter weiter nach vorne und ließ Freeman die rechte Seite allein regeln. Das Ergebnis: elf defensive Aktionen, keine Kartensperre, keine Blessur. Für einen Kader, der zwei Jahre vor der eigenen WM noch nach Konstanz sucht, ist das ein Goldwert.
Der Trainer lobt: „Er versteht, dass Freiheit nicht Gleichgültigkeit bedeutet.“ Freeman selbst fasst es sportlicher pragmatisch zusammen: „Ich will zeigen, dass ich international bestehen kann. Das Feld spricht lauter als jedes Interview.“
Am 12. Juli startet die USA gegen Paraguay im SoFi Stadium in Los Angeles. Wer die 50.000 Sitzplätze betritt, wird einen 21-Jährigen sehen, der in weniger als 500 Tagen vom Campus an die Weltspitze katapultiert wurde. Amerika nennt sich Land der unbegrenzten Möglichkeiten – Freeman ist der lebende Beleg.
