Afrika-cup-titel weg: senegal zieht vor den cas – und hat chancen

Der Schiedsrichter pfiff ab, das Spiel war vorbei, der Senegal schien Afrika-Cup-Sieger 2025/26 zu sein. Zwei Monate später ist nichts mehr davon übrig. Eine CAF-Berufungskommission hat das Finale am Dienstagabend mit 3:0 für Marokko gewertet – und damit eine Entscheidung getroffen, die den afrikanischen Fußball in einen handfesten Rechtsstreit treibt. Der senegalesische Fußballverband kündigte umgehend an, den Fall vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS zu bringen. Und der hat durchaus Substanz.

Was die caf als grundlage nimmt – und wo es wackelt

Die CAF stützt ihr Urteil auf die Artikel 82 und 84 des Afrika-Cup-Reglements. Artikel 82 besagt klar: Wer das Spielfeld ohne Genehmigung des Schiedsrichters verlässt, gilt als Verlierer. Genau das ist in der Nachspielzeit des Finals passiert. Ein Teil der senegalesischen Mannschaft marschierte nach zwei strittigen Entscheidungen von Referee Jean-Jacques Ndala Ngambo in die Kabine – ohne Erlaubnis, beim Stand von 0:0. Artikel 84 regelt die Konsequenz: 0:3-Niederlage, endgültiger Ausschluss.

Soweit die Theorie. Die Praxis sieht anders aus. Schiedsrichter Ndala Ngambo brach das Spiel nämlich nicht ab. Er ließ die senegalesische Mannschaft zurückkehren und die Partie regulär zu Ende spielen. Genau dieser Moment ist der Riss im CAF-Fundament. Nach IFAB-Regel 5.2 hat der Schiedsrichter die volle Autorität über das Spielgeschehen – und seine Entscheidungen zu Tatsachen auf dem Platz sind endgültig. Wenn der Referee das Spiel freigibt, ist das keine Kleinigkeit. Das ist Regelwerk.

Die eigentliche bombe: war marokkos berufung überhaupt zulässig?

Die eigentliche bombe: war marokkos berufung überhaupt zulässig?

Hier wird es richtig interessant. Marokko hatte zunächst Einspruch eingelegt – den der CAF-Disziplinarausschuss Ende Januar ablehnte. Daraufhin legte Marokko Berufung gegen diese Entscheidung ein. Die Berufungskommission gab ihnen Recht. Aber durfte sie das überhaupt?

Artikel 44.5 des Afrika-Cup-Reglements legt fest, dass alle Entscheidungen des Disziplinarausschusses während der Endrunde endgültig und unanfechtbar sind – mit einer Ausnahme: wenn sie auf Berichten der Spieloffiziellen basieren. Und genau hier liegt das Problem, das den CAS beschäftigen wird. Der Disziplinarausschuss kommunizierte seine Entscheidung im Januar ohne jede Begründung. Niemand weiß öffentlich, auf welcher Grundlage er entschied. Wenn nicht auf Basis des Schiedsrichterberichts, dann war die marokkanische Berufung laut Artikel 44.1 schlicht unzulässig. Die gesamte Entscheidungskette wäre damit hinfällig.

Sadio manés mannschaft kämpft weiter

Sadio manés mannschaft kämpft weiter

Die Trophäe steht also nicht in Rabat, sie steht im juristischen Niemandsland. Der CAS wird sich durch ein Regelwerk arbeiten müssen, das an mehreren Stellen gegen sich selbst argumentiert – IFAB-Regeln gegen CAF-Statuten, Disziplinarentscheid gegen Berufungsrecht, Schiedsrichterentscheidung gegen Verbandsurteil. Das ist kein klarer Fall. Das ist ein Präzedenzfall.

Für den senegalesischen Verband und die Mannschaft um Sadio Mané ist die Lage schmerzhaft, aber nicht hoffnungslos. Wer auf dem Platz das Spiel gewann, ist protokolliert. Wer am Ende als Sieger in den Büchern steht, entscheiden jetzt Juristen in Lausanne. Der Fußball hat sich selbst aus dem Spiel genommen.