Fifa-kongress: infantino scheitert an versöhnungsversuch

Vancouver – Ein frostiger Moment auf dem FIFA-Kongress in Vancouver: Der palästinensische Fußballverbandschef Jibril Rajoub verweigerte seinem israelischen Kollegen Basim Scheich Suliman demonstrativ den Handschlag, obwohl FIFA-Präsident Gianni Infantino zu einer Versöhnung aufgefordert hatte. Der Konflikt um den Antrag Palästinas auf Ausschluss Israels überschattete die Veranstaltung und offenbarte tiefe Gräben innerhalb des Weltfußballs.

Die eskalation im detail

Die Szene war angespannt. Infantino hatte die beiden Funktionäre auf die Bühne gerufen, in der Hoffnung, eine Geste der Einheit zu bewirken. Doch Rajoub ignorierte Suliman demonstrativ und wandte sich stattdessen Infantino zu, um ihm vehement seine Position darzulegen. Ein eindeutiges Zeichen des Protests gegen die jüngste Entscheidung der FIFA, keine Maßnahmen gegen israelische Vereine zu ergreifen, die im besetzten Westjordanland agieren.

Rajoub kündigte an, den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) erneut angerufen zu haben, um die FIFA-Entscheidung anzufechten. „Wir hoffen, dass über den nächsten verfügbaren Rechtsweg zu einer verhältnismäßigen und endgültigen Lösung geführt wird“, erklärte er. Die Berufung wurde bereits am 20. April eingereicht – ein klarer Ausdruck des Unmuts über die aktuelle Situation.

Politik und fußball: eine undurchsichtige verbindung

Politik und fußball: eine undurchsichtige verbindung

Suliman betonte in seiner Rede, dass es im Fußball „keinen Platz für Politik“ gebe. Seine Worte wirkten angesichts der komplexen geopolitischen Lage im Nahen Osten jedoch hohl. Die FIFA ringt seit über zwei Jahren mit dem palästinensischen Antrag, der den Status des Westjordanlands und die Teilnahme israelischer Vereine an israelischen Ligen betrifft. Die FIFA argumentierte im März, dass der „endgültige rechtliche Status des Westjordanlands nach dem Völkerrecht weiterhin eine ungelöste und äußerst komplexe Angelegenheit“ darstelle, was eine Sanktionierung Israels erschwert.

Rajoub warnte vor einem „Präzedenzfall“ und äußerte die Hoffnung, dass die FIFA „den gerechten und mutigen Weg einschlägt, der die grundlegenden Rechte jedes Mitglieds dieses Kongresses schützt“. Er deutete an, dass es im kommenden Jahr zu einer Abstimmung kommen könnte, wenn keine Einigung erzielt wird. Die Situation ist brisant und könnte die FIFA vor eine Zerreißprobe stellen.

Die FIFA-Entscheidung im März, keine Maßnahmen gegen den israelischen Verband zu ergreifen, hatte bereits für heftige Kritik gesorgt. Es bleibt abzuwarten, ob der CAS die Entscheidung der FIFA aufheben wird und welche Konsequenzen dies für den israelischen Fußball haben könnte. Die Ereignisse in Vancouver zeigen deutlich, dass der Konflikt zwischen Palästina und Israel nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch in den höchsten Gremien des Weltfußballs weiterwirkt.