Abgefuckt nüchtern: wenn freundschaft vom alkohol abhängt

Der nächste Feierabend steht vor der Tür, und mit ihm die Frage: Cola oder Cocktail? Für viele ist ein Treffen mit Freunden untrennbar mit Alkohol verbunden. Doch was, wenn man aus welchen Gründen auch immer keinen Alkohol trinkt? Ein neuer Podcast-Gastgeber bringt ein unbehagliches Thema ans Licht: die soziale Isolation von Abstinenzlern.

Die bittere wahrheit hinter dem lachen

Die bittere wahrheit hinter dem lachen

Der Hamburger Psychiater Gabriel Rubio warf in einem kürzlichen Podcast-Gespräch einen scharfen Blick auf die Dynamik vieler Freundschaften. Seine These: Viele Beziehungen basieren auf dem gemeinsamen Konsum alkoholischer Getränke, und wer davon abweicht, wird oft mit subtiler, aber spürbarer Ablehnung konfrontiert. Rubio schildert ein Szenario, das viele kennen: Man trifft sich mit Freunden, trinkt Cola, während die anderen Wein oder Bier genießen, und fühlt sich zunehmend unwohl.

“Was macht man um fünf Uhr morgens mit einer Cola?”, fragt Rubio rhetorisch. Er veranschaulicht sein Argument anhand eines Beispiels: “Du triffst dich mit Alberto und Sonia, es ist 10 Uhr abends, ihr geht aus, und du stehst um eins Uhr mit drei Colas und fünf Toilettengängen da, während sie trinken und lachen.” Es ist ein Bild der Entfremdung, das sich für viele Abstinenzler allzu real anfühlt. Der Psychiater geht noch weiter: “Wenn du aus dem Lokal gehst, siehst du sie im Rückspiegel lachend. Nicht über dich, sondern, weil sie erleichtert sind, dich nicht dabei zu haben und die Nacht ohne dich genießen zu können.” Das ist hart, aber ehrlich.

Die Erkenntnis, dass man vielleicht nicht wirklich Freunde hat, sondern lediglich Begleiter in der Rauschdämmerung, kann verletzend sein. Rubio rät dazu, sich nicht verbiegen zu wollen: “Wie soll ich ihnen sagen, dass sie ihr Leben vor mir leben sollen? Dann musst du dir andere Freunde suchen.” Die Frage, die dann aufkommt, ist jedoch drängend: Was macht man dann mit sich selbst, wenn die Gesellschaft sich um den Alkohol dreht?

Rubios Analyse ist ein Weckruf. Sie zeigt, dass die vermeintliche Freiheit, selbst zu entscheiden, was man trinkt oder nicht, in einer Gesellschaft, die von Alkohol geprägt ist, mit einem hohen Preis verbunden sein kann: der Verlust von Zugehörigkeit und das Gefühl der Isolation. Es ist an der Zeit, dass wir die Freundschaften hinterfragen, die auf dem Konsum basieren, und Platz für echte Verbindungen schaffen – auch ohne Alkohol.