Liebesexperte entzaubert mythos der seelenverwandten: gibt es wirklich nur eine?
Die Vorstellung, es gäbe eine einzige Seelenverwandte, die perfekte Ergänzung, die wie angegossen zu uns passt – ein romantischer Gedanke, der uns seit Generationen begleitet. Doch Beziehungs-Experte Pep Borrell stellt diese Vorstellung in Frage und sorgt für frischen Wind in der Diskussion um die Liebe.

Der seelenverwandten-mythos: eine menschliche erfindung?
Borrell, der im ‘Roca Project’ Podcast zu Wort kommt, argumentiert, dass die Idee der Seelenverwandten ein Mythos ist, ein Versuch, die Komplexität menschlicher Beziehungen zu vereinfachen. “Wir wollen mit menschlichem Denken etwas erklären, das uns entgeht”, so Borrell. Statt nach der einen perfekten Person zu suchen, sollte man sich darauf konzentrieren, klare Grenzen zu definieren – “Dinge, die diskutierbar sind und Dinge, die eben nicht diskutierbar sind”.
Was bedeutet das konkret? Borrell plädiert dafür, die kleinen Macken und Eigenheiten des Partners zu akzeptieren, ja sogar zu schätzen. “Die Dinge, die Sie jetzt nerven, werden Ihnen mit der Zeit gefallen und Sie werden sie zu Ihren machen”, erklärt er. Beispiele hierfür sind Geschmäcker, Gewohnheiten oder sogar die Präferenz für einen bestimmten Fußballverein. Solange diese Aspekte nicht unüberwindbare Hindernisse darstellen, sollten sie als Teil des Gesamtpakets akzeptiert werden.
Doch es gibt auch unverrückbare Prinzipien. “Diese müssen wir bekämpfen”, betont Borrell. Er gibt ein persönliches Beispiel: “Für mich ist der Glaubensaspekt fundamental. Das war meine einzige Bedingung, keine andere.” Hier zeichnet sich ab, dass die Wahl der Lebenspartner nicht nur von oberflächlichen Vorlieben, sondern auch von tief verwurzelten Werten und Überzeugungen geleitet sein sollte. Es geht darum, festzulegen, welche Aspekte für das eigene Glück unerlässlich sind und wo Kompromisse möglich sind.
Die Suche nach der Liebe ist somit kein passives Warten auf die Seelenverwandte, sondern ein aktiver Prozess der Selbstdefinition und der bewussten Gestaltung von Beziehungen. Es geht darum, zu erkennen, was für einen selbst wirklich wichtig ist und sich nicht von romantischen Illusionen blenden zu lassen. Denn wie Borrell treffend bemerkt: “Gott weiß, was passieren wird.”
