400-Spiele-marke vor dem abstieg: arnold droht das bitterste jubiläum seiner karriere
Am Samstag könnte Maximilian Arnold beim Spiel in Berlin seine 400. Bundesliga-Partie für den VfL Wolfsburg absolvieren – doch statt zu feiern, fürchtet der Kapitän den GAU. Der Klub steht mit dem Rücken zur Wand, der Abstieg droht, und Arnold selbst kämpft mit sich, dem Körper und der Geschichte.
Die Zahl ist gewaltig: Nur Matthias Ginter hat unter den aktiven Feldspielern mehr Einsätze. Doch die Marke von einst 602 Partien von Karl-Heinz Körbel interessiert Arnold gerade herzlich wenig. „Ich würde alle Rekorde sofort gegen Klassenverbleib eintauschen“, sagte er kürzlich im Trainingslager – und meinte es so, wie es klang.
Die leisten schmerzen, der kopf auch
Seit Monaten plagt sich der 31-Jährige mit Leistenproblemen. Die Hinserie überstand er nur mit Schmerzmitteln und höchster Einsatzbereitschaft, doch der Körper schreit Stopp. Unter Dieter Hecking, mit dem er 2015 noch Vizemeister wurde, kam Arnold in den letzten vier Spielen dreimal von der Bank – und wirkte jedes Mal wie ein Mann, der sich selbst überlisten muss.
„Max muss fit sein“, sagt Hecking knapp. „Mit 80 Prozent kann man keine Bundesliga retten.“ Die Aussage klingt hart, ist aber ein Fakt. Wolfsburg braucht einen Arnold in Lederhosen-Modus, nicht einen, der sich nach jedem Sprint die Hände auf die Oberschenkel stemmt.

Relegation wäre heute ein erfolg
Die Ironie: 2017 rettete sich der VfL in der Relegation gegen Braunschweig – und Arnold bezeichnete diese Wochen als „tiefsten Punkt“ seiner Laufbahn. Heute wäre Platz 16 ein Sechser im Lotto. Die Tabelle lügt nicht: 14 Punkte aus 29 Spielen, nur vier Siege, 44 Gegentore. Die Zahlen sind keine Statistik, sie sind ein Spiegelbild eines Vereils, der vergessen hat, wie man Fußball spielt.
Die Frage ist nicht mehr, ob der VfL noch eine Siegesserie startet, sondern ob noch eine Sieg reicht. Die Konkurrenten aus Bochum, Mainz und Köln haben den besseren Drive, Wolfsburg wirkt wie ein Auto mit leerem Tank auf der Autobahn – Tempo 180, aber der nächste Rastplatz ist weit.

Vw drückt, aber nicht die daumen
Der Hauptsponsor schweigt, die Geschäftsführung auch. Kein Wunder, denn wer soll schon erklären, wie eine Mannschaft mit dem zweithöchsten Etat der Liga auf Platz 18 landet? Die Antwort liegt nicht nur im Sport. Sie liegt in Jahren des Schönredens, in Transferfehlentscheidungen, in der Illusion, man könne mit Mittelmaß Champions-League spielen.
Arnold hingegen hat nie viel geredet. Er ist kein Lautsprecher, er ist ein Sechser. Aber selbst ein Sechser kann nicht alles abräumen, was vor ihm schiefgelaufen ist. Wenn er am Samstag in Berlin aufläuft, wird er nicht an Körbel oder Häßler denken. Er wird an 2017 denken, an die Relegation, an das Grauen. Und er wird wissen: Diesmal gibt es kein morgen, wenn heute nicht gewonnen wird.
Fünf Spiele bleiben. Fünf letzte Auftritte, um das bitterste Jubiläum der Bundesliga-Geschichte zu verhindern. Die 400 werden kommen – ob sie ein Grund zum Feiern sind, entscheidet sich nicht am Samstag, sondern am 18. Mai. Dann steht fest, ob Arnolds Treue belohnt oder bestraft wird. Bis dahin zählt nur eins: Punkte. Alles andere ist Luxus, den sich keiner mehr leisten kann.
