3:3 Im derby: kessler zögert, kwasniok kämpft – der fc steht am abgrund
Köln – Ein Blitzstart, ein K.o., eine Aufholjagd, dann das 3:3. Das 100. rheinische Derby war pure Adrenalin-Kopfbedeckung, doch die Euphorie verpuffte binnen Minuten. Thomas Kessler, Geschäftsführer Sport, sprach von einem „Wechselbad der Gefühle“, vermied aber jede klare Damentruppe für Trainer Lukas Kwasniok. Die Botschaft: Ein Punkt reicht nicht, und die Frage nach der Bank steht offen.
Kesslers balanceakt: lob für die mannschaft, schweigen für den coach
„Wenn du so schlecht reinkommst und dann zurückschlägst, zeigt das Charakter“, sagte Kessler am Sky-Mikro. Doch sofort drehte er den Spieß um: „Dass wir das 2:1 nicht bis zur Halbzeit halten, ist ein alter Leistenflicken.“ Die Kölner haben sieben Pflichtspiele sieglos, vier Pleiten, drei Remis. Tabellenplatz 15, ein Punkt Vorsprung auf Relegation, drei auf Abstieg. Die Zahlen sind lauter als jedes Flüstern.
Kessler stärkt den Spielern den Rücken, zweifelt aber lautstark an der Ergebniskurve. „Wir müssen mal wieder einen Dreier holen“, sagt er und meint: irgendwann, irgendwie, irgendwer. Dass dies jemand anders als Kwasniok sein könnte, ließ er offen. „Wir machen uns unsere Gedanken“, verkündete er, bevor er in den Aufzug verschwand.

Kwasnioks gegenreden: „ich bin der richtige“
Während der Manager also „schläft“, kämpft der Trainer mit offenem Visier. „Du musst erstmal jemanden finden, der mehr Überzeugung hat“, sagte Kwasniok auf der Pressekonferenz. Den 19-jährigen Cenny Neumann hatte er nach Krauß’ Kurzzeit-Verletzung in die Höhle geschickt – drei Gegentore liefen über seine Seite. „Das ist Teil des Jobs. Ich liebe diesen Verein, und ich werde um diesen Job kämpfen.“
Sein Vertrag läuft 2025, seine Bilanz: 0,8 Punkte pro Spiel seit Februar. Die Fans sangen im Derby zwar seine Namen, doch die Südkurve fordert auch Siege. „Mitte, Ende Mai ist Schluss für diese Saison“, sagte Kwasniok selbst. Klingt nach Selbstinszenierung – oder nach Vorbereitung aufs Finale um die eigene Zukunft.

Die elf, die nicht untergeht, aber sinkt
Elf Tore in fünf Spielen kassiert, neun geschossen. Die FC-Defensive wirkt wie ein offenes Tor zur Domplatte: eindrucksvoll, aber jeder kann durch. „Wir haben keine eindeutige Niederlage erlitten“, sagt Kessler – statistisch korrekt, emotional ohne Wert. Denn die Tabelle lügt nicht, sie droht.
Am Freitag kommt Bochum, ein direkter Konkurrent. Gewinnt Köln, springt die Mannschaft vorerst auf Platz 13. Verliert sie, rutscht sie auf 16. „Dann ist die Kirche im Dorf“ – oder im Rhein. Die Uhr tickt, der Ball rollt, und die Köpfe rollen vielleicht auch. Kwasniok will weitermachen, Kessler will durchatmen. Zwischen beiden steht ein ganzer Klub, der am Abgrund tanzt und dabei noch ein Lied pfeift.
