300 Spiele, ein tor, null garantie: bittencourts bremen-aus wird zur achterbahn

Er stand vor dem Abgrund, wurde zum Matchwinner und feierte nebenbei sein 300. Bundesliga-Spiel – Leonardo Bittencourt erlebte in Wolfsburg eine einzige 90-Minuten-Metapher seines ganzen Werder-Wahnsinns.

Der 1:0-Auswärtssieg schraubt den Abstand auf den Relegationsplatz auf sieben Punkte, doch der Mann, der einst als verloren galt, schlägt sich nach dem Schlusspfiff demonstrativ aufs grün-weiße Wappen. Die Fans jubeln, die Mitspieler klatschen. Ein Bild, das vor vier Monaten undenkbar war.

Steffen strich ihn, thioune zog ihn zurück

Unter Horst Steffen war Bittencourt im Herbst selbst aus dem Kader geflogen. Der Verein verkündete im Dezember die Trennung, 149 Bremer Bundesliga-Einsätze schienen ein abruptes Ende zu finden. Doch Daniel Thioune griff nach dem Mainz-Debakel zu alter Stärke: „Wir haben gesehen, warum ich immer betont habe, dass er noch ein ganz wichtiger Faktor für den Verein werden kann.“

Gegen Wolfsburg lief der 32-Jährige 68 Mal mehr als jeder andere Werderaner ohne Ball, gewann 63 % seiner Duelle und leitete die einzige Großchance vor Njinmahs Siegtreffer ein. Die Zahlen liegen auf dem Papier, das Gefühl sitzt in der Kabine. „Er will durch die Vordertür und nicht durch die Hintertür“, sagt Thioune – und meint damit die Mentalität, die Werder in dieser Saison oft fehlte.

Brasilien ruft, bundesliga zieht

Brasilien ruft, bundesliga zieht

Die Entscheidung, wohin die Reise geht, steht noch aus. Brasilianische Klubs winken, doch Bittencourt schwört: „Ich bin ein Bundesliga-Kind.“ 300 Einsätze, zwei Abstiege, 23 Tore, 37 Vorlagen – die Bilanz spricht für sich. Ein dritter Abstieg will er nicht noch einmal erleben. „Mit Köln 2018 und Werder 2021 habe ich das schon zweimal mitgemacht. Ein drittes Mal soll mir das nicht passieren.“

Maximal sieben Spiele bleiben, um dieses Ziel zu sichern. Danach wird der Mittelfeldstratege das Stadion an der Osterdeich als Fan betreten – nicht mehr als Profi. „Ich bin hier zum Fan geworden“, gibt er offen zu. Die größte Ironie: Genau diese Leidenschaft könnte Werder am Ende retten. Und Bittencourt? Er könnte als Held abtreten, der sich nicht ergeben hat.