1,78-Meter-genie schmettert trier: towers fliegen auf williams-schultern richtung klassenerhalt

Ross Williams ist so groß wie ein Handtuchständer, trifft aber mit der Kälte eines Snipers. 27 Punkte, sechs Dreier, persönlicher Rekord – und plötzlich stehen die Veolia Towers wieder mit beiden Beinen in der Basketball-Bundesliga. 90:72 gegen Trier, 24 Stunden nach der blutigen Nose in der Arena, jetzt die unfassbare Revanche. Die Hamburger spielen wie entfesselt, der Aufsteiger wirkt wie betäubt.

Der kurze mann in der mitte

Die Towers stellen ihren kleinsten Spieler ins Zentrum der Siegesfeier. Williams lacht, aber seine Stimme zittert. „Wir haben heute das Spiel diktiert“, sagt der 1,78-Meter-Mann, „und sie gezwungen, so zu spielen, wie WIR es wollen.“ Kein Pathos, nur Zahlen: 6/9 Dreier, 27 Punkte, 3220 Fans, die seinen Namen skandieren. Nach Wochen der Zurückhaltung explodiert der Point Guard mit der Präzision eines Uhrwerks.

Die Ausgangslage war verrückt: Vier Tage nach der 92:101-Pleite in Trier, kein Perrin (Handbruch), kein Breunig (Muskelfaserriss), dafür ein Nachholspiel, das wegen Januar-Schnee neu terminiert wurde. Die Gladiators wiederum ohne Ashworth (Außenbandriss), also ohne etatmäßigen Spielmacher. Das Duell der Ausfälle gewinnen die Hamburger klar – weil sie den kurzen Amerikaner haben, der plötzlich groß wirkt.

Müdigkeit war nur ein gerücht

Müdigkeit war nur ein gerücht

Kapitän Benedikt Turidic lacht über Fragen zur Erschöpfung. „Wir haben ein ganzes Jahr lang europäisch gespielt, wir wissen, wie man mit Müdigkeit umgeht.“ Unter dem Korb liefert er sich ein Geheimduell mit Maik Zirbes, 36 Jahre, 2,08 Meter. Turidic stemmt sich, stemmt noch mal, holt offensive Rebounds, die eigentlich unmöglich sind. Die Statistik: 21 Punkte Vorsprung beim 66:45, 24 beim 78:54. Trier trifft nur 23 % der Dreier, nach 52 % im Hinspiel. Die Zahlen lügen nicht.

Trainer Benka Barloschky redet nicht von Glück. „Mehr investiert“ ist sein Mantra. Er weiß: Wenn man Kleinigkeiten stapeln kann, werden sie irgendwann zum Berg. Williams ist dieser Berg, 27 Zentner schwer, obwohl er nicht einmal 1,80 Meter misst.

Die saison ist noch lang, aber der boden wird fester

Die saison ist noch lang, aber der boden wird fester

Der sechste Heimsieg bedeutet nicht automatisch das Ende des Abstiegsstresses, doch die Luft wird dünner für die Verfolger. Die Towers springen auf Platz zwölf, vier Punkte vor dem Strich. Williams blickt auf sein Handy, sieht die Nachrichten, schüttelt den Kopf. „Ich hab einfach immer weitergearbeitet“, wiederholt er. Dann verschwindet er in der Kabine, so klein, dass man ihn fast übersehen könnte – wenn da nicht diese 27 Punkte wären, die in Hamburg jetzt Geschichte sind.