250 Judokids kämpfen nicht um pokale – sondern für kinder, die um ihr leben kämpfen
Am Sonntag, 29. März, verwandelt sich das PalaLuiss in Rom in einen einzigen Tatami der Hoffnung. 250 Mädchen und Jungen zwischen fünf und elf Jahren treten an, doch der Sieger steht schon fest: die Peter-Pan-Stiftung, die Familien mit krebskranken Kindern kostenlos ein Zuhause gibt.
Kein wettkampf, sondern ein schulterschluss
Die 23. Auflage des Trofeo Peter Pan verzichtet auf Siegerehrungen nach Punkten. Stattdessen fließt jede Startgebühr direkt in die ODV, die seit Jahren Eltern aus ganz Italien in Wohnungen nahe der Krankenhäuser der Hauptstadt aufnimmt. „Wir wollen keine Mini-Gladiatoren, wir wollen Menschen“, sagt Organisator Michele Tomita, Leiter der gleichnamigen Judoschule. Die zehn teilnehmenden Vereine – von Turin bis Tarent – haben sich freiwillig verpflichtet, auf Medaillen zu verzichten und stattdessen Spendenboxen mitzubringen.
Um 10.30 Urt springen dann nicht nur die Kids: der Centro Sportivo Carabinieri zeigt Würfe, die sonst nur in Olympia-Kategorien zu sehen sind. Und Pino Maddaloni, Gold von Sydney 2000, steigt selbst auf die Matte, um jedem einzelnen Teilnehmer die Gürtelprüfung symbolisch umzulegen – nicht als Trainer, sondern als Patenonkel.

Die echten gegner sitzen nicht am rand
„Krebs schlägt keine K.o.-Runde, er schlägt Familien aus der Bahn“, erklärt Marisa Barracano Fasanelli, Gründerin der Stiftung. Die Bilanz der letzten Trofeo-Ausgabe: 42.000 Euro, genug für 280 Übernachtungen, dazu 1.300 kostenlose Mahlzeiten. In diesem Jahr peilt man 50.000 an. Das ist kein frommer Wunsch, sondern schon fast eingespielt: die Region Latium und die Stadt Rom haben offiziell ihre Logos zur Verfügung gestellt – ein Akt politischer Selbstverständlichkeit, der in Zeiten leerer Kassen selten ist.
Die Kampfrichter kommen von der Fijlkam, die Matte stellt das Csen bereit, das italische Paralympische Komitee übernimmt den Transport der rollstuhlgerechten Ausstattung. Alle arbeiten ehrenamtlich. Keiner verdient an diesem Sonntag einen Cent – außer die Kinderstationen der Romer Kliniken, die mit jedem Wurf ein Stück mehr Hoffnung bekommen.
Wenn um 13 Uhr die letzte Sensei-Verbeugung erfolgt, haben die Kleinen gelernt, dass eine Ippon-Entscheidung nicht das Ende ist, sondern der Beginn von etwas Größerem. Die Trophäe steht schon jetzt in den Fluren der Oncologie – und sie trägt keinen einzigen Siegernamen, sondern 250 kleine Handabdrücke in bunter Farbe. Die Botschaft: „Ich kampfe für dich, der du kämpfst.“ Mehr Sport geht nicht.
