21 Jahre, vier medaillen: audrey pascual fegt bei paralympics durchs eis

21 Jahre alt, vier Medaillen, zwei davon Gold – und das alles beim ersten Auftritt. Audrey Pascual hat die Paralympics in Mailand-Cortina mit dem Schwung einer Lawine erwischt und die Ski-Welt in Atem gehalten. Geboren ohne Schienbein, Knie oder Füße, hat sie sich auf die Bretter gestellt und die Konkurrenz einfach weggefegt.

Keine beine, kein problem – nur pure willensstärke

Ihre Mutter, Laura Seco, erinnert sich noch genau an den Moment, als ihre Tochter mit zwölf Jahren verkündete: „Ich will zu den Paralympics.“ Kein Wunsch, keine Kinderei – eine Ansage. Pascual hatte gerade das Skifahren entdeckt, eigentlich nur als Spielerei. Doch die Bewegung auf dem Schnee wurde zur Obsession. Teresa Silva, Präsidentin der Stiftung, die das Talent entdeckte, sagt: „Sie hatte von Anfang etwas, was man nicht trainieren kann – den Hunger, sich selbst zu übertreffen.“

Der Trainer Jaime Hernández begleitet sie seit acht Jahren. Er spricht nicht von „Trainingseinheiten“, sondern von „Kämpfen“. Jede Abfahrt ein Gefecht gegen die Schwerkraft, jede Kurve ein Sieg über die Schmerzen. „Audrey versteht Skifahren nicht als Sport, sondern als Sprache. Und sie spricht sie fließend“, sagt er.

17 Podeste in einer saison – und trotzdem uni vor der tür

17 Podeste in einer saison – und trotzdem uni vor der tür

Vor Mailand-Cortina hatte Pascual bereits 17 Podestplätze in einer einzigen Saison gesammelt. Dazu ein WM-Gold und der Europa-Cup. Doch die Zahlen erzählen nur die Hälfte. Dahinter stehen Operationen, Reha-Einheiten, stundenlange Fahrten zur Schneekanone in Granada – und die ständige Frage: „Reicht das?“

Nach der letzten Medaille in Italien schob sie die Frage beiseite. „Ich bin 21, nicht 41. Die nächsten Spiele sind in vier Jahren, und ich habe noch ein Studium offen“, sagte sie mit einem Grinsen, das selbst ihre Konkurrenten im Zielbereich miterlebt haben. Kommunikationswissenschaften in Granada wartet – und ein Stapel unerledigte Hausarbeiten. „Hoffentlich akzeptiert meine Professorin die Abwesenheit“, lacht sie.

Doch der Blick ist längst weiter. Die französischen Alpen 2030 sind bereits im Kalender markiert. „Wenn man einmal oben war, will man wieder hin“, sagt sie und klingt dabei nicht wie ein Star, sondern wie ein Kind, das eben erst den Gipfel entdeckt hat.

Der Sport hat seine neue Heldin – und sie trägt keine Beine, sondern vier Medaillen um den Hals. Die Geschichte ist noch lange nicht zu Ende. Sie fängt gerade erst an.