17 Tore, 24 spiele – und trotzdem schweigt nagelsmann: undavs wm-drama
Deniz Undav schießt sich auf Platz zwei der internationalen Torjägerliste, schraubt die Bilanz auf 17 Treffer in 24 Pflichtspielen – und darf trotzdem nicht mit der deutschen Nationalmannschaft rechnen. Bundestrainer Julian Nagelsmann meldet sich nicht einmal zurück.
„Ich muss mich ständig rechtfertigen“
Die Worte des Stuttgarter Angreifers klingen nach einem Mix aus Resignation und Kampfansage. „Gibt keinen“, antwortete Undav auf die Frage nach dem Austausch mit Nagelsmann. Sky hielt die Kamera auf ein Gesicht, das zwischen Lächeln und Verkrampfung schwankt. Dabei liefert der 27-Jährige seit November Zahlen, die selbst erfahrene Statistiker ins Stolpern bringen: 17 Tore, zehn Assists, unzählige Punkte gerettet.
Sein Mitspieler Jeff Chabot schaltet sich ein, als wolle er die Debatte mit Rohkraft beenden. „Zahlen lügen nicht. Er hält uns in Spielen am Leben, die wir verlieren müssten“, sagt der Verteidiger und deutet damit jene Phasen an, in denen VfB-Stuttgart in der Liga nach Luft schnappt. Dann kommt Undav, trifft, und plötzlich glaubt wieder jeder an die Europapokal-Ränge.

Die chronologie eines verrisses
Undav lief in der Nations-League-Phase nicht auf, obwohl die Formkurve bereits nach oben zeigte. Nagelsmann setzte stattdessen auf die eingespielte Doppelspitze der Bayern-Stars. Seitdem tickt eine Uhr im Kopf des Stürmers. „Bis 19. März ist Zeit“, sagt er und versucht sich in Gelassenheit. Doch die Anspannung ist spürbar. WM-Tickets verschicken sich nicht von allein, selbst wenn die Torausbeute Rekordniveau erreicht.
Die ironische Pointe: In einem Jahr, in dem Deutschlands Angriff gegen tiefe Blöcke verzweifelt, ignoriert der Bundestrainer den Prototyp des modernen Zentrumstreibers. Undav kombiniert Pressingresistenz mit Abschlusskaltblütigkeit, er findet Lücken zwischen zwei Innenverteidigern, als hätte er eine Landkarte im Kopf. Und dennoch: kein Anruf, keine WhatsApp, keine Nachfrage beim Klub.

Stuttgarts angst, den star zu verlieren
Chabot lacht nicht, als er die Szenarien durchspielt. „Wenn du so einen Spieler hast, tust du alles, damit er bleibt.“ Die Kamera fährt kurz auf die Tribüne, wo Sportdirektor Fabian Wohlgemuth die Hände in den Taschen vergraben hält. Stuttgart weiß: Ein Sommer ohne internationale Bühne könnte Undav in die Premier League treiben. Dort wartet Geld, Startelfplätze – und ein Nationalteam, das ihn will, wenn auch nur als Option.
Bis dahin bleibt Undav ein Gefangener seiner eigenen Effizienz. Er trifft, er jubelt, er gibt Interviews – und muss erklären, warum er eigentlich dabei sein sollte. „Wenn es nach mir geht, bin ich dabei“, sagt er. Die Entscheidung trifft ein anderer, der gerade nicht einmal ans Telefon geht.
Die WM rückt näher. Mit jedem Tor wird das Schweigen lauter. Und mit jedem Sieg, den Stuttgart dank Undav einfährt, wächst der Druck auf Nagelsmann. Am Ende zählt nur eine Frage: Wie viele Tore müssen noch fallen, bis das Handy klingelt?
