100 Tage bis zur wm: deutschlands gruppe e wird zum minenfeld
Die Ampel steht auf Gelb. Noch 100 Mal schläft Deutschland, dann beginnt in Houston die Mission Titel. Doch wer die Gruppe E nur nach FIFA-Rangliste bewertet, lernt bei dieser WM das Fürchten.
Curaçao, ecuador, elfenbeinküste – drei gegner, die nageln wollen
Der Durchschnittsmarktwert der deutschen Startelf übersteigt die komplette gegnerische Bank. Trotzdem: In der Quali klapperte der Ball zu oft gegen den Pfosten. Das 6:0 gegen die Slowakei war ein Ausrutscher, kein Aufbäumen. Julian Nagelsmann hat die Zahlen im Kopf: 13 erarbeitete Großchancen, nur 4 Treffer. Das reicht nicht gegen eine ecuadorianische Mauer, die in 18 Quali-Spielen nur fünf Gegentore kassierte.
Die Trionda, der neue Adidas-Ball, fliegt schneller als seine Vorgänger. Keine gute Nachricht für Oliver Baumann, der nach 327 Bundesligaspielen ohne Länderspiel-Einsatz plötzlich die Nummer eins sein soll. Hinter ihm wartet Noah Atubolu, 21, mit Reflexen wie ein Katapult. Druck? „Jeder Tag ohne Musiala auf dem Platz ist ein Tag mit gezacktem Puls“, sagte Nagelsmann vor zwei Wochen im Kicker-Interview. Der Bayern-Star trainierte heute erstmals wieder mit Ball, aber der Rhythmus fehlt.

Curaçao liefert den nächsten advocaat – und das ist kein witz
Die Insel mit 155.000 Einwohnern schickt eine B-Elf der Niederlande, nur dass diese Spieler für Tahith Chong und Jürgen Locadia keine Marketing-Gags sind, sondern Kampfmaschinen. Fred Rutten übernahm nach dem Rücktritt von Dick Advocaat das Kommando. Sein letzter Stopp: Schalke 04, Saison 2019, gefeuert nach 0:5 in München. Er kennt die deutsche Mentalität – und wie man sie aushebelt.
Ecuador bringt Moisés Caicedo mit, den teuersten Mittelfeldspieler der Premier League. 115 Millionen Euro Ablage, aber die Statistik, die Nagelsmann studiert, lautet: 83 % gewonnene Zweikämpfe im defensiven Mittelfeld. Das ist kein Spieler, das ist ein Kettensägen-Sicherheitsgurt.

Elfenbeinküste will das afrika-cup-desaster mit deutschem blut wischen
Amad Diallo postete nach dem Viertelfinal-Aus gegen Nigeria ein Foto von sich, halb verborgen hinter einem Handtuch, mit dem Spruch: „Wir kommen zurück – mit dem WM-Pokal.“ Drei Tore, eine Vorlage, aber die Defensive wackelte. Jetzt reist auch Yan Diomande mit, 19, RB-Leipzig, Sprintrekord der U23-Bundesliga: 36,2 km/h. Gegen David Raum wird er nicht bremsen.
Nagelsmanns großes Geheimnis ist der 23. Mann. Er wird am 19. März nominiert, aber der Trainer sagt schon jetzt: „Es gibt Entscheidungen, die werden nicht als unfair wahrgenommen, sondern als Verrat.“ Gemeint ist: Ein Stammspieler von Bayer Leverkusen oder Borussia Dortmund wird zu Hause bleiben, weil die Chemie im Kader oberste Priorität hat.
Winston-Salem, North Carolina, wird zum deutschen Hauptquartier. Dort, wo sonst Tabakplantagen glühen, soll die Maschine ticken. Die Uhr läuft, die Minen sind gelegt. Wer in Gruppe E überlebt, fliegt nicht nur ins Achtelfinale – der fliegt mit Selbstvertrauen bis nach New York.
