Zverev wirft den sombrero in die luft – ohne mischa, aber mit melo

Ein Satz wie ein Freundschaftsbändchen: „Endlich haben wir ein Turnier zusammen gewonnen.“ Alexander Zverev stand in Acapulco mit Tränenlachen neben Marcelo Melo, dem Brasilianer, den er seit zehn Jahren „besten Freund“ nennt – und der ihm den ersten Doppeltitel ohne Bruder Mischa bescherte. 6:3, 6:4 gegen Erler und Galloway, keine Spur von Nervosität, dafür jede Menge Sonntag-Mariachi-Klänge.

Das erste mal ohne mischa, aber mit dem alten traum

Die Statistik kannte nur ein Gesicht: 2017 und 2019 triumphierte Zverev im Doppel – jeweils an der Seite von Mischa. Jetzt also Marcelo Melo, 41 Jahre, 37 Titel, aber seit 2022 trocken. Das Match war keine Kunst, es war eine Abrechnung mit der eigenen Geduld. Zweiter Aufschlag weggeschlagen? Kein Thema. Returnwinner aus dem Stand? Melo stieß sich mit der Faust gegen Zverevs Schulter, als wolle er sagen: „Wir sind nicht mehr die Jüngsten, aber heute sind wir schneller als die Zeit.“

Den Einzel-K.o. gegen Davidovich Fokina hatte Zverev nur 48 Stunden zuvor noch als „Blindgänger“ bezeichnet. Jetzt trug er stattdessen den strohfarbenen Sombrero des Turniers und ließ sich von Fotografen in die Kerzen-Stimmung der Cliff-Abend-Dämmerung schieben. Ein Trophäen-Foto ohne Final-Verlust – das gab es zuletzt 2019.

Die zahl, die niemand erwartete

Die zahl, die niemand erwartete

Es war erst sein dritter Doppeltitel auf der ATP-Tour – bei Start Nummer 67. Die Rate liegt unter fünf Prozent, schmaler als ein Kordelzug. Dafür wirkt der Sieg wie ein Seitenhieb gegen das Einzel-Regiment: „Ich spiele nicht Doppel, um mich locker zu machen“, hatte Zverev vor drei Jahren noch gesagt. Jetzt klingt das wie ein Satz aus einer alten Kassette. Acapulco schenkte ihm nicht nur 300 Punkte, sondern vor allem ein neues Narrativ: Freundschaft kann Titel erzeugen, selbst wenn der eigene Bruder fehlt.

Melo wird nächste Woche in Indian Wells wieder an seiner Seite stehen. Dann wird keiner mehr fragen, ob Mischa nachrückt. Die Antwort steht jetzt schon in den Akten: ein Sieg, ein Kumpel, ein Sombrero – und ein Zverev, der endlich wieder lacht, ohne sich zu entschuldigen.