Zverev steht in miami allein: altmaiers horrorlauf reißt nicht

Miami – eigentlich ein Fest der Farben, ein Saunaclub für Tennisstars. Doch für deutsche Profis wird der Hardcourt-Tempel zur Geisterbahn. Nach Tag eins bleibt nur ein einziger Überlebender: Alexander Zverev. Alle anderen sind raus – manche, wie Daniel Altmaier, noch vor dem ersten Sonnenbrand.

Altmaier versinkt im sumpf der niederlagen

4:6, 2:6 – die Zahlen wirken harmlos. Sie sind es nicht. Sie bedeuten: acht Turniere 2026, acht Starts, null Siege. Terence Atmane, Weltranglisten-96, spielte sich in 67 Minuten durch den 27-jährigen Kempener wie durch ein offenes Tor. Dabei begann Altmaier mutig, erarbeitete sich zwei Breakbälle beim Stand von 1:1. Danach: Blackout. Rückhand ins Netz, Vorhand ins Aus, Selbstgespräche, Blick zum Coach – ein Albtraum im Loop.

Die Statistik nagelt ihn ans Kreuz: 0-8 in Saisonmatches, nur 46 Games gewonnen in 14 Sätzen. Sein letzter Erfolg datiert vom Oktober 2025 in Antwerp. Damals schlug er Botic van de Zandschulp. Danach vergaß er offenbar, wie’s geht.

Zverev bekommt das freilos – und jetzt die heiße phase

Zverev bekommt das freilos – und jetzt die heiße phase

Der Hamburger startet Samstag, 16 Uhr (live auf kicker), gegen Qualifikant Martin Damm. Klingt machbar. Ist es aber nicht. Der US-Amerikaner ist 21, frisch von der Uni-Liga, schlägt Aufschläge über 220 km/h und hat nichts zu verlieren. Zverev muss – auch um den deutschen Tennis-Adler nicht komplett aus dem Miami-Feld zu fegen – liefern.

Seine Vorbereitung war kurios: Er trainierte mit Golf-Handschuh, um den neuen Overgrip zu testen. Er scherzte mit den Ballkids, posierte für Instagram. Doch hinter den Sonnenbrillen schlägt sein Herz höher. Die US-Hartcourts liegen ihm, 2018 stand er hier im Finale. Seitdem allerdings hat er Miami als „zu früh im Jahr“ abgetan. Diesmal ist er Top-4-fähig, könnte Novak Djokovic im Viertel treffen – wenn er Damm überwindet.

Deutsches tennis in der schockstarre

Deutsches tennis in der schockstarre

Struff, Hanfmann, Seidel, Lys, Maria – allesamt K.-o. in Runde eins. Laura Siegemund kämpfte sich in zwei Stunden und 47 Minuten in Runde zwei, scheiterte dann aber an der Aufsteigerin Iryna Shymanovich. Ergebnis: Keine deutsche Spielerin mehr im Damenfeld, nur noch Zverev bei den Männern. Der Dachverband plant bereits Krisensitzung – Thema: Sandplatz-Saison, Rasputin-Training, mentale Hilfe.

Die Zahlen sind gnadenlos: Seit 2025 hat kein deutscher Profi außer Zverev ein ATP-Masters-1000-Viertel erreicht. Damen-Seite: Kerbers Rücktritt, keine Nachwuchs-Hoffnung unter Platz 120. Altmaiers Debakel ist symptomatisch.

Miami bleibt zverevs letzte bastion – und seine pr-bühne

Während sich Altmaier in der Spieler-Tunnel-Dunkelheit verzieht, genießt Zverev den Sonnenuntergang auf dem Center Court. Er lacht mit dem Organisator, signiert Schläger, wirkt entspannt. „Ich habe nichts zu verlieren“, sagt er – und meint alles. Die Saison ist jung, die Masters-Punkte fetten das Ranking, die US-Fans lieben seinen Power-Tennis.

Doch die Uhr tickt. Seit seiner Knöchel-OP 2023 jagt ihn die Frage: Kommt der alte Zverev zurück? In Miami könnte er sie für eine Woche verstummen lassen – oder sie laut aufschreien lassen. Gegen Damm beginnt die Antwort. Danach heißt es: entweder weiterleben oder wieder allein nach Hause fliegen. Für deutsches Tennis ist das mehr als ein Match. Es ist ein Notruf.