Zverev schmettert sich in runde drei, sinner jagt federers phantom

Miami schwitzt, Zverev lacht. 6:2, 6:4 gegen Martin Damm, keine Spur von Hitzefall, nur ein Faustball gegen die Sonne. 69 Minuten Arbeit, 103. Masters-Sieg seit 2020 – kein deutscher Profi holt öfter, keiner bleibt hier noch übrig.

Die Statistik klingt wie ein Automatismus, doch sie täuscht. Hinter den glatten Zahlen steckt ein Körper, der endlich wieder gehorcht. Zverevs Sprungaufschlag pflanzt sich wie ein Exclamation Point ins Feld, der Return wirkt ausgedacht statt erraten. „Ich bin happy mit meinem Level“, sagt er, und man glaubt ihm jedes Wort, weil der Sound seiner Treffer lauter ist als die Vuvuzelas auf dem Gelände.

Cilic wird zur geduldsprobe

Cilic wird zur geduldsprobe

Als nächstes wartet Marin Cilic, 37, knorrig wie ein Korallenriff. Der Kroate bezwang Brandon Nakashima in drei Sätzen, wehrte einen Matchball ab und scheint sich für Indian Wells zu revanchieren, wo Zverev gegen den Amerikaner erstmals in seinem Leben einen 2:0-Satzvorsprung weggab. Miami mag Revanchegeschichten, besonders wenn sie vor Hitze schwirrten.

Während Zverev also gegen die Vergangenheit spielt, jagt Jannik Sinner die Zukunft. 12 Masters-Siege nacheinander, 24 Sätze ohne Abstrich – nur Novak Djokovic war je so monoton brillant. Das „Sunshine Double“, Indian Wells plus Miami, gelang zuletzt Roger Federer 2017. Sinner tritt die nächste Etappe gegen Corentin Moutet an, doch eigentlich spielt er gegen ein Phantom in Weiß, das ihn an die Decke der Geschichte heben könnte.

Deutschland dagegen schaut zu. Altmaier, Struff, Hanfmann – raus. Seidel, Lys, Maria, Siegemund – ebenfalls. Die deutsche Tennis-Woche in Miami dauert genau so lang wie Zverevs Aufschlagspiel: kurz, präzise, mit offenem Ende. Bleibt die Frage, ob der Hamburger das Turnier 2024 endlich so nennt wie 2018: sein. Die Antwort steht zwischen Hitze, Cilic und einem möglichen Viertelfinale gegen Sinner. Dort, wo Statistiken enden und Geschichten beginnen.