Zverev pulverisiert damm, sinner jagt federer: miami kocht
Miami – 69 Minuten reichten Alexander Zverev, um dem 22-jährigen Linkshänder Martin Damm das Gefühl zu geben, gegen eine Backsteinwand zu returnieren. 6:2, 6:4 stand am Ende an der Hard-Court-Kathedrale von Crandon Park, und der Hamburger ballte nur kurz die Faust – als wäre das sein selbstverständlicher Arbeitsalltag.

Sinner schreibt nebenbei djokovic-statistik um
Während Zverevs 103. Masters-Sieg seit 2020 die komplette Weltelite hinter sich lässt, sorgte Jannik Sinner zwei Stunden später für die nächste Rekord-Maschine. 6:3, 6:3 gegen Damir Dzumhur, zwölf Masters-Siege in Serie, 24 Sätze am Stück – diese Marke hielt binnen Novak Djokovic allein. Ein Satz mehr, und der Südtiroler bugsiert den Serben aus dem eigenen Geschichtsbuch.
Die Zahl, die alleine schon die Anlage zum Glühen bringt: Sinner hat 2024 erst vier Sätze abgegeben – in 14 Begegnungen. Das ist kein Tennis mehr, das ist Excel auf Maximum.
Doch es gibt einen Haken. Zverev kennt ihn aus Indian Wells, wo ihn Sinner im Halbfinale stoppte. „Er spielt momentan so frei, als hätte er die Anleitung geschluckt“, sagte der Deutsche nach dem Damm-Match. „Aber Miami ist ein anderer Belag, andere Luftfeuchte, andere Bälle.“ Code für: Ich habe noch eine Rechnung offen.
Der nächste Prüfstein heißt Marin Cilic. Der 37-jährige Kroate nagelte Brandon Nakashima mit 2:6, 6:4, 7:6 (9:7) an die Wand und wehrte dabei einen Matchball ab. Cilic kennt jede Ritze des Center Courts, und wenn Zverev in Satz eins kurz einnickt, nutzt der Altmeister es sofort aus – wie ein altes Krokodil, das noch einmal zubeißt.
Für Sinner steht Corentin Moutet bereit, den er im letzten Jahr in Wien in knapp über einer Stunde zerlegte. Doch der Franzose ist ein Tänzer auf der Linie, ein Mann, der mit Slice, Spin und Show die Rhythmusmaschine stören kann. Und genau das ist das Einzige, was Sinner momentan abgeht: Störfeuer.
Deutschland ist sonst ausgeschieden wie ein Verein, der seine Kreditkarte vergessen hat. Altmaier, Struff, Hanfmann – alle vor dem Achtelfinale draußen. Bei den Frauen sieht es nicht besser aus. Ella Seidel, Eva Lys, Tatjana Maria, Laura Siegemund: Keine Minute Center-Court-Licht, dafür früh morgens die nächste Flucht nach Hause.
Die Konsequenz: Allein Zverev trägt die Fahne, und er weiß, dass jedes Match jetzt ein Stück Geschichte sein kann. Entweder wird er zum ersten Deutschen seit Boris Becker (1996) Miami-Champion – oder Sinner schreibt sich mit dem ersten Sunshine Double seit Federer 2017 in die ewigen Listen ein.
Donnerstagabend, etwa 21.30 Uhr Ortszeit, Court 1: Zverev gegen Cilic. Danach, sollte er gewinnen, winkt bereits das Viertelfinale. Die Uhr tickt. Die Hitze steigt. Und irgendwo zwischen Basel und Hamburg schlägt ein Herz schneller – das der deutschen Tennis-Hoffnung, die endlich wieder ganz oben mitmischen darf.
