Riem hussein pfeift zum letzten mal: 156 spiele, ein jahrhundert-abgang

Sie war die Unparteiische, die selbst Bayern-Stars Respekt zollten. Am Samstag im Volksparkstadion trägt Riem Hussein die Pfeife zum 156. und letzten Mal in der Frauen-Bundesliga – Rekord, das wohl Jahrzehnte bestehen bleibt.

Der abschied beginnt, wo alles startete

Hamburg – genau dort pfiff die Apothekerin aus Bad Harzburg 2006 ihr erstes Oberhaus-Spiel. 20 Jahre später kehrt sie zurück, um zu verabschieden, was sie mitgeprägt hat: schnelles Spiel, faire Fouls, Gelb statt Drama. „Ich nehme das mit großer Dankbarkeit im Herzen mit“, sagt die 43-Jährige, und ihre Stimme bricht nicht, klingt aber leiser als sonst.

Die Zahl 156 steht für 156 Mal Mittelpunkt, 156 Mal Entscheidung in Sekundenbruchteilen. Keine andere Schiedsrichterin kam auch nur nah heran. Dabei war der Einstieg ein Zufall: Nach ihrer aktiven Zeit beim MTV Wolfenbüttel griff sie 2005 zur Pfeife, weil der Verein keinen Unparteiischen fand. Ein Jahr später folgte das Bundesliga-Debüt, 2009 die FIFA-Lizenz. Weltmeisterschaften, Champions-League-Finale, Olympia – alles kam hinzu, doch die deutsche Liga blieb ihre Konstante.

Was bleibt, wenn der schlusspfiff ertönt

Was bleibt, wenn der schlusspfiff ertönt

Der DFB hat sie bereits als Schiedsrichterin des Jahres 2025 geehrt, gewählt von 3.200 Kolleginnen und Kollegen. Die Trophäe steht im Regal, doch Hussein will nicht nur Erinnerungen sammeln. Sie bleibt dem Fußball als Video-Assistentin und als Ausbilderin von Nachwuchs-Schiedsrichterinnen erhalten. „Hochklassiger Fußball aus der besten Perspektive“ wird ihr fehlen, gibt sie offen zu. Dafür gewinnt sie Zeit: für die Apotheke, für zwei Kinder, für sich selbst.

Am Samstag wird sie nach dem Abpfiff nicht eilig vom Platz eilen. Sie wird sich umschauen, die Lichter, den Rasen, die Gesichter einprägen. Dann wird sie die Pfeife in die Tasche stecken – und für immer zuklappen. Die Bundesliga verliert eine Ikone, die keine Tore schoss, aber Spiele prägte.