Zverev pulverisiert damm in 69 minuten – miami glüht unter seiner kälte
Mit der Gelassenheit eines Mannes, der weiß, dass er noch Höheres vorhat, hat Alexander Zverev die Hitze von Miami genutzt, um seine Auftakthürde zu versengen. 6:2, 6:4 gegen Qualifikant Martin Damm, ein Score, der die Statistik lügt – denn die Zahlen sagen nichts über den Windstoß, den der Deutsche dem 21-jährigen Amerikaner um die Ohren schlug.
Die ballmaschine und der weltranglisten-133.
69 Minuten. Keine Breakchance für Damm. Keine Sekunde, in der Zverev die Kontrolle verlor. Der Weltranglisten-Dritte servierte mit 78 % Erstaufschlagquote, verwandelte vier von fünf Breakbällen und ließ dem US-Boy nur 13 Punkte auf dem eigenen Aufschlag. Damm, Sohn eines ehemaligen Grand-Slam-Siegers, wirkte wie ein Jugendlicher, der versehentlich in die falsche Kategorie geraten ist. Die Zuschauer auf dem Grandstand murmelten nach dem ersten Satz nur noch „Sascha, Sascha“ – ein Refrain, der in der zweiten Runde gegen Marin Cilic lauter werden dürfte.
Die Klimaanlage der Anlage rattert, Zverev schwitzt trotzdem nicht. Er spricht danach von „einem guten Start“, doch seine Augen verraten mehr: Er hat Miami als Testlabor für Paris auserkoren. Die French Open beginnen in 66 Tagen, und der 28-Jährige will nicht mehr nur Halbfinale spielen, sondern endlich den letzten Schritt gehen. Dass er nach Indian Wells erneut früh dran ist, passt ins Raster: Er will Rhythmus, will Matches, will Druck.

Deutsche diaspora – nur einer bleibt übrig
Während Zverev locker in die dritte Runde spaziert, ist der Rest der deutschen Armee bereits im Atlantik versenkt. Altmaier, Hanfmann, Struff – allesamt Außenseiter, allesamt chancenlos. Bei den Damen sieht es nicht besser aus: Lys, Seidel, Maria – raus. Laura Siegemund schaffte noch eine Runde, dann war Schluss. Die Bilanz: 0:7 in Runde eins, 0:3 in Runde zwei. Zverev trägt jetzt nicht nur sein Nike-Outfit, sondern die Last einer kompletten Tennisnation.
Die nächste Hürde trägt kroatischen Pass. Marin Cilic, 36, einst US-Open-Sieger, heute Weltranglisten-23., schlug in Runde zwei den Franzosen Adrian Mannarino. Cilic’ Aufschlag ist noch immer eine Waffe, seine Erfahrung auf Miami-Hartplatz ein Trumpf. Für Zverev ist es die erste echte Prüfung – und gleichzeitig ein Vorbild: Cilic war 2016 hier im Finale, Zverev will 2026 endlich den Titel. Die Head-to-Head-Bilanz: 5:2 für Zverev, aber das letzte Duell liegt zwei Jahre zurück. In Miami zählt nur, wer die Hitze erträgt.
Die Sonne über dem Hard Rock Stadium brennt, Zverev lächelt. Er weiß: Jeder weitere Sieg schreibt nicht nur Zahlen in die Tabelle, sondern Brandzeichen ins Gedächtnis der Fans. Gegen Cilic wird das Stadion kochen. Und wenn er dann durchkommt, wartet womöglich Jannik Sinner im Viertel – der Italiener, der ihn in Indian Wells zerlegte. Zverev nickt nur: „Ich bin bereit.“ Die Uhr tickt, der Sand von Roland Garros rückt näher. Miami ist nur die Vorschau. Die Hauptrolle spielt Paris – und Zverev beginnt, sich warmzulaufen.