Zsc lions: halbfinal-debakel offenbart tieferliegende probleme
Die ZSC Lions haben in der Halbfinalserie gegen den HC Davos eine bittere Lektion erfahren: Ein vermeintlich überlegener Kader garantiert noch keinen Erfolg. Das klare 1:4 im Gesamtscore trügt über den tatsächlichen Spielverlauf hinweg, in dem die Zürcher oft auf Augenhöhe agierten – scheiterten aber an einer verheerenden Ineffizienz und einer Reihe struktureller Schwächen.
Die chancenverwertung als entscheidender knackpunkt
Trainer Marco Bayer machte seine Unzufriedenheit deutlich: „Das ist das, was ich der Mannschaft vorwerfen kann. Sie hat die Chancen nicht gemacht.“ Und in der Tat, die Statistiken sprechen eine deutliche Sprache: In vier von fünf Spielen hatten die Zürcher den höheren Expected-Goals-Wert auf ihrer Seite. Das deutet auf eine massive Diskrepanz zwischen erzeugten Chancen und erzielten Toren hin – ein Problem, das die Lions schon über die gesamte Saison hinweg plagte.

Mehr als nur fehlende effizienz: eine saison voller fragezeichen
Die Niederlage gegen Davos ist jedoch nicht allein auf die mangelnde Effizienz zurückzuführen. Die ZSC Lions hatten durchaus die Qualität, den dritten Meistertitel in Serie zu holen. Doch die Qualifikation, die mit viel Aufwand errungen wurde, offenbarte bereits Risse im System. Ein fehlender Biss in vermeintlich unwichtigen Spielen während der Qualifikationsrunde führte letztendlich zu dieser unerwarteten Hürde in Form von Davos.
Der Trainerwechsel im Dezember 2024 zu Marco Bayer hatte zwar zunächst positive Effekte – Champions-League-Triumph und Titelverteidigung in der National League – doch die Frage, inwieweit Bayer die Mannschaft wirklich geprägt hat, bleibt offen. Diese Saison zeigte deutlich, dass selbst der vermeintlich beste Kader der Liga anfällig für Krisen und Leistungstiefs ist.
Ein Schlüsselspieler fällt aus: Der verletzungsbedingte Ausfall von Sven Andrighetto im dritten Viertelfinalspiel gegen Lugano war ein schwerer Schlag für die Zürcher. Andrighetto, zusammen mit Denis Malgin einer der prägenden Spieler der vergangenen Playoffs, fiel komplett aus. Malgin selbst blieb in der Halbfinalserie ohne Scorerpunkt – ein Kontrast zu seinem explosiven Viertelfinal gegen Lugano, in dem er mit neun Punkten glänzte.

Die rolle der importspieler und die verantwortung der sportlichen leitung
Während die Importspieler des HC Davos mit sechs Toren in der Serie maßgeblich zum Erfolg beitrugen, blieben die ausländischen Spieler der ZSC Lions blass. Sportchef Sven Leuenberger steht nun vor der Herausforderung, die Zusammenstellung des Kaders zu hinterfragen. Die Lions schöpften ihre Kontingentsplätze in der Qualifikation nicht konsequent aus, und einige Neuzugänge, wie Andy Andreoff, konnten die Erwartungen nicht erfüllen.
Die Zukunft von Trainer Marco Bayer, dessen Vertrag nach der kommenden Saison ausläuft, ist nun ungewiss. Ein Großteil des Vertrauens, das er sich mit den vergangenen Titeln erworben hat, scheint verspielt. Die kommenden Tage werden zeigen, ob ihm die Chance gegeben wird, mit diesem talentierten Kader erneut um den Titel zu kämpfen. Die Analyse des Kaders für die Saison 2026/27 wird sich zeigen, ob Steinmann tatsächlich eines Tages den Triumph erringen kann.
