Zsc fegt lugano raus – doch der finals-traum trübt sich durch riedi-handicap
4:0-Sweep und trotzdem ein mulmiges Gefühl: Die ZSC Lions haben den HC Lugano binnen fünf Tagen aus den Playoffs gekickt, doch der Preis für das Halbfinale-Ticket könnte teurer werden als erwartet. Denn Willy Riedi, der heißeste Forward der Lions in dieser Serie, humpelte in der 53. Minute nach einem sauberen, aber harten Check von Einar Emanuelsson vom Eis – und kam nur mit deutlicher Schonung zurück, um den Sieg mit den Fans zu feiern.
Die szene, die zürich stocken lässt
Riedi hatte die Scheibe hinter dem eigenen Tor ausgekreist, als Emanuelsson mit offensichtlich einzigem Ziel: Körpercheck. Kein Ellbogenschlag, keine Vorstrafe – trotzdem blieb der 28-jährige Stürmer liegen, rappelte sich langsam hoch und verschwand mit schmerzverzerrtem Gesicht in der Kabine. „Er konnte kaum Druck auf das rechte Bein geben“, berichtete ein Teaminsider. Eine erste Diagnose steht noch aus, doch die Ärzte vermuten eine Sehnenirritation im Oberschenkelansatz. Ob das Playoff-Halbfinale am 4. April für ihn zu früh kommt, ist offen.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Ohne Riedi sank die Scoring-Chance-Rate der Lions in den letzten sieben Minuten um 18 Prozent – ein klares Indiz, wie sehr das System um seinen Forechecking-Motor kreist. Sven Andrighetto fehlt ohnehin bereits seit Spiel zwei mit einer Prellung im Sprunggelenk. Die Bieler Bande um Reto Berra wartet bereits mit pochenden Ellenbogen auf die nächste Runde.

Lange pause – segen oder stolperstein?
Kein anderes Team hat so früh die Playoff-Halbfinale-Tickets gelöst. Treffpunkt: 4. April. Das sind mindestens neun Tage Regeneration – Zeit, die Trainer Rikard Grönborg für individuelle Reha-Programme nutzt. „Wir werden nichts riskieren“, sagt er mit Blick auf Riedi. Die medizinische Abteilung arbeitet bereits mit Hochdruck- Sauerstoffkammer und EMS-Training, um die Muskelfasern zu stabilisieren.
Doch der Gegner schläft nicht. Während die Lions mit Eisbad und Physiotherapie pendeln, kämpfen Genf-Servette oder die SCL Tigers weiter um den zweiten Halbfinalplatz – und sammeln Spielrhythmus. Taktikchef Grönborg will die Pause mit Videoanalyse und Special-Teams-Workshops füllen. „Wenn wir die ersten Minuten im Halbfinale gewinnen wollen, müssen unsere Powerplay-Formationen automatisch laufen“,fordert er.
Die Fans jedenfalls feierten trotz Sorgenfalten. Als Riedi nach der Siegerehrung wieder aufs Eis spazierte, brach „Willy, Willy“-Ruf aus – ein emotionaler Moment, der zeigt: Die Stadt ist bereit fürs Halbfinale. Ob ihr Topscorer mitläuft, entscheidet sich in den nächsten 72 Stunden. Die Lions haben den Sweep perfekt gemacht, doch der Weg zum Spengler-Cup-Sequel wird ohne Riedi um einiges steiniger. Die Uhr tickt – und mit jedem Tag ohne gute Nachricht steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Zürich in die nächste Runde ohne seinen heißesten Offensivmann startet.
