Zsc drückt, davos hält: das halbfinale wird zur goalie-frage

Die Scheibe zischt, die Tore fallen – und trotzdem steht es nur 1:1. Die ZSC Lions dominieren die Zahlen, der HC Davos aber die Tabelle. Nach 120 Minuten Playoff-Hockey ist klar: Wer hier weiterkommt, muss entweder einen Goalie haben, der Diebe spielt, oder einen Baltisberger, der aus der vierten Reihe Meisterschaften entscheidet.

Expected goals lügen nicht – tore zählen trotzdem

Spiel eins gehörte auf dem Papier Zürich: 4,15 xG gegen 3,74, 61 Schüsse gegen 51, sieben High-Danger-Chancen gegen fünf. Ergebnis: 4:2 Davos. Sandro Aeschlimann plusterte sich mit 94 % Fangquote auf, Simon Hrubec schaute in die Röhre. Der „Goals-saved“-Wert? plus 1,27 für den Schweizer, plus 0,04 für den Tschechen. Kurz: Davos gewann, weil sein Torhüter die Statistik anlog.

Spiel zwei drehte sich das Blatt. Zürich marschierte mit 3:48 xG gegen 2,17, 35 Schüsse aufs Tor gegen 19 und zehn Großchancen gegen drei zum 3:1 davon. Diesmal war Hrubec der Räuber (95 %, plus 0,74), Aeschlimann blieb menschlich. Die Moral: Die Lions können die Serie beim nächsten Mal schon in der Arena davonziehen – wenn ihre Chancen nicht wieder an einem Wall namens Hrubec zerschellen.

Die vierte linie schlägt zurück

Die vierte linie schlägt zurück

Während Superstar Denis Malgin noch auf seinen ersten Halbfinale-Punkt wartet, schreibt Chris Baltisberger die Geschichte mit. Drei Tore in zwei Spielen, alle aus der vierten Reihe. Sein Doppelpack in Davos reichte nicht, sein Siegtreffer in Zürich schon. Auf der Gegenseite antwortet Simon Knak – ebenfalls Center der Dritten bzw. Vierten – mit dem 3:2-Siegestreffer in Spiel eins. Die Botschaft: Wer die Top-Trios stopft, bekommt das Messer zwischen die Rippen von hinten.

Die Tiefe entscheidet, das wissen auch die Coaches. Marco Bayer rotiert seine Reihen, Christian Wohlwend vertraut trotz Unterzahl auf Match-ups. Bei 5-gegen-5 liegt Zürich in beiden Partien vorne (Spiel 1: 2,70–2,10 xG, Spiel 2: 2,80–1,05). Trotzdem steht es unentschieden, weil Davos in Spiel eins drei Gleichzahl-Tore schoss, in Spiel zwei aber keins mehr. Kleinste Lücken, größte Folgen.

Powerplay? nein, torhüter-duell

Powerplay? nein, torhüter-duell

Sieben Mal Überzahl für Zürich, zwei Tore. Sechs Mal für Davos, ein Treffer. Die Special Teams liefern keine Erlösung, sie liefern nur Ecken. Das Spiel wird dort entschieden, wo die Schlittschuhe quietschen und die Pucks knallen – vor den beiden Männern mit der Maske. Hrubec und Aeschlimann haben bereits je ein Spiel gestohlen. Einer von ihnen muss es noch ein zweites Mal schaffen, will sein Team ins Finale schießen.

Die Serie ist keine Taktik-Schachpartie mehr, sie ist ein Wettlauf gegen die eigene Nervosität. Die Lions fahren nach Davos, wissen, dass sie das bessere Team sind. Der HCD weiß, dass er das bessere Ergebnis hat. Wer am Ende jubelt, hängt davon ab, ob die Zahlen endlich die Tore einlösen – oder ob wieder ein Goalie die Rechnung verweigert.