Zenica zittert: italiens wm-aus wäre der k.o. für bosnien

8800 Menschen, ein Rasen, der zwischen Kakao und Khaki schwankt, und eine Temperatur, die um null herumkreist – das ist kein Fußballspiel, das ist ein Existenzkampf. In Zenica wartet Bosnien auf Italien, und die ganze Stadt atmet wie ein Boxer vor der letzten Runde.

Gattuso spart mit pathos – und das ist programm

„Ich habe schlechtere Plätzen trainiert“, sagt Rino Gattuso. Kein Wort über Schnee, kein Wort über Druck. Der Trainer der Squadra Azzurra kennt die Balkan-Mentalität, er hat hier eine Saison lang gearbeitet. Für ihn zählt nur die Taktik, nicht das Wetter. Die Frage nach einem möglichen WM-Aus quittiert er mit einem Schulterzucken, das wie ein Faustschlag wirkt.

Die Italiener sind gestern erst angekommen – kein Training, nur ein Spaziergang über den grün-weißen Teppich des Bilino Polje-Stadions. Aus den Hochhäusern hinter den Kurven filmen Handys, was sie erwartet: keine Superstars, sondern eine Mannschaft, die plötzlich angreifbar wirkt. Seit November 2019 gewann die Azzurri hier, doch die 2:1-Erfolg von damals zählt nur noch in der Statistik.

Die neun-millionen-frage: was passiert, wenn italien fliegt?

Die neun-millionen-frage: was passiert, wenn italien fliegt?

Für Bosnien wäre ein Sieg mehr als drei Punkte – es wäre die Bestätigung, dass das einzige WM-Abenteuer von 2014 kein Zufall war. Die Fans sind bereit, ihre Sangesfreiheit trotz der FIFA-Sperre (20 % Stadionsperre wegen rassistischer Gesänge) in eine Choreo umzuwandeln, die selbst die Balkan-Nacht erzittern lässt.

Die Zahlen sind brutal: 8.800 Zuschauer, 0 Grad Celsius, 90 Minuten, die über die Zukunft eines ganzen Fußballlands entscheiden. Die Buchmacher sehen Italien als Favorit – doch auf dem „Weißen Platz“ zählt nur, wer den ersten Schlag landet.

Mit dem Abpfiff wird klar sein: Entweder fliegt der vierfache Weltmeister – oder Bosnien schreibt das nächste Kapitel seiner Fußball-Märchen. Keine Frage, nur Fakt.