Zeki amdouni steht wieder auf dem rasen – die uhr tickt für die wm

Ein halbes Jahr nach dem Knall kam der erste Schritt zurück ans Licht. Zeki Amdouni, 25, joggt wieder im Takt mit seinen Burnley-Kollegen, das Knie stabil, der Blick nach vorne. Die Bilder, die der Klub am Mittwochnachmittag durchs Netz jagte, wirken wie ein Sequenz-Zwischensieg in einem Film, den niemand abbrechen will.

Das aufwärmprogramm war erst der anfang

Ballarbeit? Fehlanzeige. Amdouni absolvierte nur die lockere Lauf-Einheit, dann schickte ihn die medizinische Abteilung zurück in die Reha-Halle. Dennoch: Wer ihn im Juli auf dem Kreuzband-Op-Tisch sah, wittert jetzt Morgenluft. Die Operation verlief reibungslos, die Belastungssteuerung ist laut Klub-Physio Paul Conneely „im Soll“, und die nächste Stufe steht nach der Länderspielpause an. Dann darf Amdouni wieder vollstes Mannschaftstraining aufnehmen – mit Kontakt, mit Zweikampf, mit dem Risiko, das jeder Stürmer liebt.

Die Frage ist nicht, ob er spielen will, sondern wann er spielen muss. Die Schweizer Nati reist im Sommer zur WM, und Murat Yakin plant seine Angriffs-Reihe bereits auf dem Papier. Breel Embolo arbeitet sich ebenfalls zurück, Noah Okafor schwankt zwischen Bank und Startelf, und die Konkurrenz aus der Super League schickt Joker wie Kwadwo Duah und Renato Steffen in die Offensive. Amdouni weiß: Er braucht Minuten, Tore, einen Funken Form – und das alles in maximal acht Wochen.

Burnleys abstiegskampf wird zu seinem persönlichen play-off

Burnleys abstiegskampf wird zu seinem persönlichen play-off

Der FC Burnley steht mit 19 Punkten auf dem vorletzten Rang, nur drei Spieltage sind bis zur Relegationszone Luft. Trainer Vincent Kompany kann jeden Körper gebrauchen, der Laufwege kennt und das Tor riecht. Amdouni lieferte in der Vorsaison 21 Tore in 43 Pflichtspielen für Basel, seine Bewegungsintelligenz passt ins Kompany-System. Die Rückkehr fällt also in eine Phase, in der der Klub genauso kämpft wie der Stürmer – ein timing, das man sich nicht besser ausdenken kann.

Intern heißt es, Amdouni habe in den vergangenen Wochen zusätzlich mit Mentalcoach Daniel Stähli gearbeitet. Das Ziel: das erste Zweikampf-Geräusch nicht als Bedrohung, sondern als Startsignal wahrzunehmen. Die Psychologen der Swiss Football Association halten ihn laut Verbandskreisen „auf der Watchlist“, was klingt wie ein Seitenhieb, aber bedeutet: Er ist noch nicht gestrichen, aber auch noch nicht gelistet.

Die Uhr tickt. In 82 Tagen eröffnet die WM in den USA, Mexiko und Kanada. Amdouni muss bis dahin mindestens fünf Premier-League-Starts hinlegen, um vor Yakin ernsthaft ins Gespräch zu kommen. Ein Spiel, sagt er Freunden, reiche nicht. Ein Tor wäre ein Bonus, „aber erst die Laufstatistik muss stimmen“, zitiert ihn ein Burnley-Insider. Die medizinische Abteilung gibt sich optimistisch: „Wenn er Mitte April voll belastbar ist, sind 600 Minuten bis Saisonende drin.“

Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit – und gegen die eigene Vorsicht. Doch wer Amdouni kennt, weiß: Er ist bereit, das Knie aufs Spiel zu setzen, wenn es ums Land und um die WM geht. Die Tore, die ihm der Gegner nicht mehr nehmen kann, will er in Kürze wieder erzwingen. Und dann zählt nur noch das Netz – und nicht mehr das Kreuzband.